AIDS-Symposium
Epidemiologie,
Prävention, Therapie und
Impfung
Fribourg, 16. / 17. November
2001
Gemeinsam
organisiert von AIDS-Aufklärung
Schweiz (AAS)
Collège Médical
Suisse pour lInformation
sur la Prévention du
SIDA (CMSIPS)
Zusammenfassungen
Inhaltsverzeichnis
Grusswort
der Stadt Fribourg zur Symposiumseröffnung
Willkommensgruss
von Dr. med. Pius Meier
Eröffnungsansprache
von Dr. med. Marcel Capt
Willkommensgruss
von Dr. med. Giovanni Fantacci
Antiretrovirale
Mehrfachtherapien
Changing
Pattern of AIDS during the Era
of Highly Active Antiretroviral
Therapy
Die
Resistenzbildung bei der HIV-Kombinationstherapie
Faktoren
der Non-Progression bei HIV-Infizierten
Die
verschiedenen Aspekte der HIV-/Aids-/STD-Prävention:
die Rolle der WHO
Ein
Arzt als Versuchsperson in den
Studien der Nationalen Französischen
Aidsforschungsvereinigung
Prävention
der maternofötalen HIV-Übertragung
HIV-Prävention
in der Arztpraxis
Zukunftsperspektiven
der genetischen Therapie bei Aids
Das
HI-Virus Ursache von Aids
und seinen Begleitkrankheiten
Die
Aktivitäten von «Médecins
sans frontières»
Schweiz in Guatemala
Geschichte
der weltweiten Aidsbekämpfung:
20 Jahre danach
HIV-
und Aidsdynamik die Epidemie
der Überraschungen
Prolongiertes
unklares Fieber bei HIV-positiven
Patienten
Grusswort
der Stadt Fribourg zur Symposiumseröffnung
Dominique de Buman, Bürgermeister
der Stadt Fribourg
Sehr geehrter Herr
Vorsitzender, sehr geehrte Damen
und Herren Organisatoren dieses
internationalen wissenschaftlichen
Anlasses, sehr geehrte Damen und
Herren Wissenschafter, Ärzte
und Gäste
Ein Symposium zum
Thema Aids gibt uns Anlass, über
die Globalisierung nachzudenken.
Man kennt die Globalisierung vor
allem im Zusammenhang mit Wirtschaftsfragen,
insbesondere wenn es um das Ungleichgewicht
zwischen armen und reichen Ländern
geht. Wenn man davon ausgeht,
dass das Problem von Reich und
Arm auch im Aidsbereich eine Rolle
spielt, so sind hier noch viel
grössere Dramen als bei der
wirtschaftlichen Globalisierung
zu erwarten. Ich gratuliere Ihnen
ganz besonders zu Ihrem Einsatz
in diesem Bereich, der sich in
unserer im Wandel befindlichen
Gesellschaft sehr facettenreich
zeigt. Man denke an die Wissenschaft
Ihr Bereich , an
den moralischen Aspekt, mit dem
sich die Kirchen und andere Kreise
beschäftigen, an die Rolle
der Privatwirtschaft in Forschung
und Medikamentenherstellung und
schliesslich an die Rolle der
Behörden. Dieses Forum hier
ist ein Bindeglied zwischen Wissenschaft
und Behörden; letzteren obliegt
die heikle Aufgabe der Prävention.
Es ist unbestreitbar, auch in
unserem Land sind Prävention
und Aufklärung über
Aids noch mangelhaft. Man sollte
das Thema viel früher in
den Schulen zur Sprache bringen,
vielleicht noch vor der eigentlichen
Sexualaufklärung. Wenn die
Jugendlichen ein gewisses Alter
erreicht und gewisse Gewohnheiten
angenommen haben, ist es manchmal
zu spät, um ihnen beizubringen,
wie sie sich vor Gefahren schützen
können. Es ist Aufgabe von
uns Staatsvertretern, aber auch
von Stiftungen und Vereinen wie
die hier vertretenen, erfinderisch
zu sein und eigenständige
Lösungen zu finden.
Ich habe übrigens
über Mittag die Gelegenheit
gehabt, ein Interview zu diesem
Symposium mitzuverfolgen, in dem
die Gefahr der Verharmlosung durch
die Plakatinformationen, die man
überall in unseren Strassen
sieht, angesprochen wurde. Es
ist schwierig, die Jugend für
ein Risiko zu sensibilisieren,
welches nicht immer eintritt.
Denn hier liegt eines der Probleme
von Aids nicht nur ein
Problem der Auffassung, sondern
der Sichtbarkeit oder Leserlichkeit,
denn die infizierten Personen
werden oft nicht sofort krank.
So besteht auch
ein grosses Risiko, dass uns im
Westen die Gefahren der Virusausbreitung
in Afrika, Asien oder Lateinamerika
nicht bewusst sind. Es ist sehr
zu begrüssen, dass zwischen
Lateinamerika, vor allem Brasilien,
und den Pharmafirmen eine Zusammenarbeit
zustandegekommen ist. Die Pharmafirmen
haben einer Preisreduktion der
Medikamente zugestimmt, nachdem
sie eingesehen haben, dass der
Kampf gegen diese Krankheit von
öffentlichem Interesse ist.
Dieses Umdenken im Kampf gegen
Aids hat in Afrika leider noch
nicht stattgefunden. Doch gerade
in Afrika, wenn ich mich nicht
täusche, sind die Ansteckungsraten
am höchsten, in gewissen
Ländern bis 50%. Ich bin
nicht sicher, ob wir Europäer
oder besser gesagt wir Westler
in den entwickelten wohlhabenden
Erdteilen realisieren, wie schwerwiegend
sich die fehlende Solidarität
im Kampf gegen die Aidsplage in
Afrika auswirkt. Mit der Zeit
und diese Zeit ist gar
nicht so weit weg könnte
dieser Kontinent ausgelöscht
werden, wenn nicht effiziente
und grosszügige Massnahmen
ergriffen werden, um nichts weniger
als die Menschheit zu retten.
Ihre Gaststadt Fribourg
ist eine Stadt der Wissenschaft,
auch wenn sie keine offizielle
wissenschaftliche Tradition hat.
Sie ist eine Universitätsstadt
mit einer naturwissenschaftlichen
Fakultät und einem Universitätsspital.
Wir haben in unserer Stadt und
in der Umgebung auch einige pharmazeutische
Unternehmen und hochtechnologische
Forschungsstätten, die alle
mit ihrer Forschung auf die eine
oder andere Art dazu beitragen,
dass Menschen ihre Würde
in kurzer Zeit wiedererlangen
können. In diesem Umfeld
werden Sie also tagen, und ich
möchte mich an dieser Stelle
ganz besonders bei Herrn Dr. Capt
bedanken, der bereits vor vielen
Monaten mit den verschiedenen
Partnern in Fribourg Kontakt aufgenommen
hat, für die Auswahl unserer
Stadt als Tagungsort, aber auch
für die herzliche und ungezwungene
Zusammenarbeit, die diese Tage
zum Erfolg werden lassen wird.
Ich kann mir vorstellen,
dass die Forscher und Ärzte,
die sich in der Aidsforschung
engagieren, keine gewöhnlichen
Forscher und Ärzte sind.
Es gibt heilbare Krankheiten,
und es gibt Krankheiten, die seit
langem bekannt sind. Aids hingegen
ist weder heilbar noch seit langem
bekannt. Sie sind also in einem
Bereich tätig, wo die Forschung
noch voll im Gang ist und viele
hoffnungsvolle Wege offenstehen.
Wie in einigen Fachzeitschriften
zu lesen ist, kann man die Krankheit
jetzt bremsen, aber nicht heilen.
Sie stellen sich also einer ausserordentlichen
Herausforderung und widmen dieser
einen Teil Ihres Lebens. Aus diesem
Grund möchte ich Sie nicht
nur herzlich willkommen heissen,
sondern Ihnen auch für Ihr
Engagement zugunsten der leidenden
Menschheit danken. Nie soll Leid
verharmlost werden dürfen.
(Übersetzung:
AIDS-Aufklärung Schweiz)
Willkommensgruss
Dr. med. Pius Meier
Stv. Kantonsarzt, Kanton Freiburg
Sehr geehrter Herr
Präsident, sehr geehrter
Herr Bürgermeister, sehr
geehrte Damen und Herren. Im Namen
der Gesundheitsbehörden des
Kantons Freiburg heisse ich Sie
herzlich willkommen in unserer
Stadt.
Die epidemiologische
Situation von Aids in unserem
Kanton ist glücklicherweise
weniger schlimm als in anderen
Regionen in der Schweiz, nicht
zu sprechen von der katastrophalen
Situation in anderen Teilen dieser
Welt. Wir haben von 1983 bis heute
nur 111 Aidsfälle gemeldet;
das sind 45,5 Fälle auf 100
000 Einwohner. Was den HIV-Test
betrifft, so wurden seit 1985
502 positive Tests gemeldet. Die
Aidsfälle sind in den letzten
zwölf Monaten klar rückläufig,
denn wir haben nur zwei Fälle
registriert. Andererseits haben
die positiven Tests seit drei
Jahren leicht zugenommen. In den
letzten zwölf Monaten wurden
22 positive Tests gemeldet; in
den Jahren 1997 und 1998 waren
es lediglich 7 bis 8. Diese vorteilhafte
Situation hat sicherlich damit
zu tun, dass es in unserem Kanton
keine städtischen Ballungsräume
gibt.
Die Fortschritte
der Aidstherapie in den letzten
Jahren das Thema dieses
Symposiums haben uns erlaubt,
die Seuche teilweise unter Kontrolle
zu bringen, ohne sie allerdings
zu besiegen. Man hat sich an die
Fortschritte gewöhnt und
beginnt, die Bedeutung der Prävention
zu vergessen. Das führt dazu,
dass das Risikoverhalten zunimmt
und ich spreche hier nicht
von Extrempraktiken wie die «barebackers»
, was auch den Anstieg der
positiven Tests erklärt.
Wir beginnen auch
die Tatsache zu vergessen, oder
besser gesagt beiseite zu schieben,
dass Aids in Afrika südlich
der Sahara und in gewissen Ländern
Asiens ein brennendes Gesundheitsproblem
geworden ist und das Überleben
ganzer Völker bedroht. Daher
schliesse ich mich dem Appell
zahlreicher Verantwortlicher des
Gesundheitswesens und auch des
Herrn Bürgermeisters an,
der die Wissenschafter, Pharmakonzerne,
politischen und finanziellen Entscheidungsträger
in der ganzen Welt auffordert,
dringende und adäquate Massnahmen
zu treffen, damit diese schwer
getroffenen Völker auch von
den medizinischen Fortschritten
profitieren und einer heitereren
Zukunft entgegensehen können.
Ich wünsche
allen Anwesenden ein interessantes
und reichhaltiges Symposium.
(Übersetzung:
AIDS-Aufklärung Schweiz)
Eröffnungsansprache
Dr. med. Marcel Capt
Präsident Collège
Médical Suisse pour lInformation
sur la Prévention du
SIDA (CMSIPS)
Sehr geehrte Damen
und Herren
Ich möchte
Sie herzlich hier in Fribourg
begrüssen. Es ist, wenn
ich mich nicht irre, das erste
Mal, dass in dieser Stadt mit
ihrem unvergleichlichen Charme
ein Symposium über Aids
stattfindet. Die offiziellen
politischen und medizinischen
Behördenvertreter waren
sehr offen für diese Premiere;
deshalb haben uns sowohl der
Bürgermeister und Präsident
des Grossen Rates von Fribourg,
Herr de Buman, als auch der
Kantonsarzt, vertreten durch
seinen Stellvertreter, Dr. Meier,
mit grosser Herzlichkeit in
Fribourg empfangen. Dafür
bedanken wir uns.
Die grossen Weltaidskongresse
sind häufig von viel Kritik
begleitet zu Recht oder
Unrecht. Sie seien zu gross,
zu teuer, zu lärmig, einem
«Jahrmarkt» oder
Zirkus vergleichbar. Trotzdem
nehmen jeweils 10 000 bis 12
000 Personen daran teil. Wieso
befriedigen diese enormen Veranstaltungen
nicht alle? Durch die riesige
Dimension entsprechen sie nicht
mehr den menschlichen Bedürfnissen.
Es hat deshalb immer Platz für
zielgerichtetere Kongresse,
die kleiner und billiger sind
und, wie unser Symposium, nur
eine Auswahl von Themen behandeln.
Ist es nicht logisch, dass die
Betroffenen (Forscher, Kliniker,
Epidemiologen, Fachleute für
Prävention und öffentliche
Gesundheit, aber auch Journalisten,
Medienvertreter, Politiker,
Juristen und Aktivisten) das
Bedürfnis nach kleineren
Veranstaltungen äussern,
auch wenn diese nicht alle Aspekte
der HIV-Infektion behandeln?
Auf dieses Bedürfnis antwortet
das von uns veranstaltete Symposium.
Diese Fortbildungsveranstaltung
für die praktizierenden
Ärzte durchzuführen,
die immer häufiger HIV-positive
und aidskranke Patienten begleiten,
ist für uns eine Pflicht,
welcher sich die infektiologischen
Chefärzte unserer Universitätskliniken
zu entziehen scheinen!
Die Beiträge
an unserem Symposium werden
die Entwicklung der Therapie
seit 1983 nachzeichnen und Ihnen
einen Einblick in die verschiedenen,
sehr aktiven Forschungsachsen
bei der Impfstoffentwicklung
geben. Ich möchte Sie daran
erinnern, dass der Kampf gegen
Aids nicht allein aus der antiviralen
Behandlung besteht, sondern
dass die HIV-Prävention
die wichtigste Massnahme bleibt.
Die Prävention ist die
erste Priorität im öffentlichen
Gesundheitswesen, ganz besonders
in denjenigen Ländern,
in denen kein genereller Zugang
zu den Tritherapien besteht.
Das Primat der Prävention
gilt aber auch für die
medizinisch besser entwickelten
Länder.
Auf der Basis
von pathogenetischen Überlegungen
um einen kurzen historischen
Abriss aufzuzeichnen ,
wurde vor fünf Jahren vorgeschlagen,
mit einer hochaktiven antiviralen
Behandlung zu beginnen. Es handelte
sich um die bekannten Tritherapien,
die im allgemeinen zwei Reverse-Transkriptase-Hemmer
und einen Proteasehemmer beinhalten.
Mit dem zunehmenden Einsatz
der Kombinationstherapien stellte
sich in den reichen Ländern
mit guter Versorgung ein bedeutender
Rückgang der opportunistischen
Infektionen und Todesfälle
durch Aids ein.
Ich erinnere Sie
daran, dass sich jeden Tag in
der Welt 20 000 Personen neu
mit HIV anstecken und dass die
Pandemie jedes Jahr 1,6 Millionen
Tote fordert. Mehr als 90% der
HIV-Infizierten und -Gefährdeten
leben in Entwicklungsländern.
In den industrialisierten Ländern
betragen die Behandlungskosten
pro Tritherapie jedes Jahr ungefähr
14 000 Dollar oder rund 20 000
Franken. In Afrika beträgt
das jährliche globale Gesundheitsbudget
pro Einwohner weniger als 10
Dollar. Auch wenn wir die Preise
der Medikamente halbieren, kostet
die Behandlung der 1,4 Millionen
Aidskranken in Afrika 9,3 Milliarden
Dollar pro Jahr, mehr als das
Bruttosozialprodukt eines Landes
wie die Elfenbeinküste
und 35mal mehr als alle Hilfsprogramme
zur Aidsbekämpfung in den
Entwicklungsländern pro
Jahr zusammen. Für diese
Länder sind die antiviralen
Behandlungen zu teuer, und sie
werden es noch lange bleiben.
Auch wenn einige Pharmafirmen
versuchen, die Kosten markant
zu senken, verunmöglichen
die ungenügenden Strukturen
in der Gesundheitsversorgung
dieser Länder eine Verschreibung
dennoch. Sie sind bei weiterm
nicht in der Lage, die Verteilung
und Verordnung der Medikamente
sowie die Begleitung der Kranken
zu gewährleisten. Mein
Freund Dr. Dechevrens, Direktor
der Ärzte ohne Grenzen
in der Schweiz, wird mir sicher
nicht widersprechen, wenn ich
die Frage nach dem Transport,
der Lagerung und richtigen Handhabung
der Medikamente stelle. Wie
können die Diagnostik,
die klinische und labormässige
Verlaufsbeurteilung, die Behandlung
der opportunistischen Krankheiten
und die Sterbebegleitung realisiert
werden? Die einzigen Profiteure
solcher Initiativen werden,
ausgenommen von einigen Privilegierten,
wahrscheinlich die Pharmaunternehmen
sein ...
Lassen Sie mich
auf den Erfolg der kombinierten
Therapien zurückkommen,
der sich in einem deutlichen
Rückgang der opportunistischen
Krankheiten und der aidsbedingten
Todesfälle in den reichen
Ländern zeigt, in denen
ein leichter Zugang zu den antiviralen
Behandlungen besteht. Das ist
die gute Nachricht, die wir
alle begrüssen. Trotzdem
sind neue Probleme aufgetaucht,
wie zum Beispiel die strikte
und zwingende Compliance bei
der Einnahme der Medikamente,
immer häufigere Virusresistenzen
gegen Medikamente, die Komplikationen
und Nebenwirkungen der Behandlung
(Diabetes, kardiovaskuläre
Probleme, Neuropathie, hämatologische
Veränderungen, Lipodystrophie,
um nur einige wichtige zu nennen)
und sogar neue sogenannt «opportunistische»
Infektionen im Rahmen der verlängerten
Lebenserwartung der Kranken.
Aus einer positiveren
Optik haben die Erfolge der
Kombinationstherapie die Hoffnung
auf eine Heilung der HIV-Infektion
geweckt. Aber soweit sind wir
nicht! In diesem Zusammenhang
muss gesagt werden, dass eine
Behandlung nur mit antiviralen
Substanzen ungenügend ist
und ein gesamtheitlicher Ansatz
(Immunmodulation und genetische
Therapie) für die Zukunft
bedeutender werden und vielleicht
den Fortschritt bringen wird,
den Ärzte und Patienten
erwarten. Wie können wir
das Virus eliminieren? Ein Ansatz
ist die Kombination von Tritherapien
und Impfung. Nachdem man die
Viruslast mit antiviralen Therapien
vermindert hat, stimuliert man
das Immunsystem des Patienten
mit bestimmten Virusantigenen
(die Forschungen zur Pathophysiologie
von Aids haben in diesem Zusammenhang
die Bedeutung des Proteins «tat»
gezeigt), in der Hoffnung, dass
die Immunantwort die letzten
Reservoire des Virus zerstören
oder zumindest die Virusreplikation
auch nach Beendigung einer medikamentösen
Behandlung auf einem tiefen
Niveau halten wird. Solche therapeutischen
Impfversuche mit einem rekombinanten
Impfstoff und einer kombinierten
antiviralen Therapie haben bei
Makakenaffen vielversprechende
Resultate gezeigt. Die Versuche
haben nun beim Menschen begonnen,
und wir werden bald erfahren,
was davon zu erhoffen ist.
Zusammengefasst
wurden in den letzten Jahren
bedeutende Fortschritte in der
Impfstoffentwicklung erreicht,
aber wir sind noch weit von
einem präventiven Impfstoff
entfernt, der einfach in der
Anwendung, günstig, wirksam
und passend für die Entwicklungsländer
ist, welche ihn ja am nötigsten
und dringendsten bedürfen.
In diesem Zusammenhang
sind wir gespannt auf unseren
Freund Professor Jean-Claude
Chermann, einen der drei Mitentdecker
des HI-Virus am Pasteur-Institut
in Paris, und auf Professor
Kamel Sanhadji aus Lyon, ein
Mitarbeiter von Professor Jean-Louis
Touraine, die von ihren Forschungen
berichten werden.
Ich beende damit
meinen Überblick und meine
Einleitung zu diesem Symposium.
Ich wünsche Ihnen zwei
reichhaltige Halbtage und danke
Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
(Übersetzung:
AIDS-Aufklärung Schweiz)
Willkommensgruss
Dr. med. Giovanni Fantacci
Präsident AIDS-Aufklärung
Schweiz
Sehr geehrte Damen
und Herren, sehr geehrter Herr
Bürgermeister
Ich möchte
Sie im Namen der AIDS-Aufklärung
Schweiz am Aidssymposium in Fribourg
begrüssen. Ich freue mich,
dass so viele kompetente Wissenschafter
den Weg in diese Stadt gefunden
haben, und ich freue mich auch
auf den wissenschaftlichen Austausch
in diesen zwei Tagen.
Am 5. Juni 2001
waren genau 20 Jahre seit Veröffentlichung
der ersten fünf Aidsfälle
in den USA vergangen. Dem voraus
ging eine bis dahin unerkannte
HIV-Epidemie, die in den fünfziger
Jahren des 20. Jahrhunderts in
Zentralafrika gestartet war und
sich in diesen 50 Jahren rund
um den Globus verbreitet hat.
Es gibt kein Land heute, das nicht
von der HIV-Epidemie betroffen
wäre. Heute leben weltweit
40 Millionen Menschen mit HIV,
der grösste Teil davon in
Afrika. In einigen Gegenden dieses
Kontinents breitet sich die HIV-Epidemie
praktisch ungebremst aus. Die
AIDS-Aufklärung Schweiz hat
in den letzen zwei Jahren verschiedene
HIV-Präventionsprojekte in
Zentralafrika gestartet. Die im
Rahmen dieser Projekte gewonnenen
epidemiologischen Daten zeigen
eine regional stark unterschiedliche
HIV-Durchseuchung. Wir stellten
einen deutlichen Unterschied zwischen
dem Land und den Städten
fest. In einer Region registrierten
wir die erschreckende HIV-Seroprävalenz
von 30% bei den schwangeren Frauen.
Die Debatte um die hohen Preise
der HIV-Medikamente in Afrika
verkennt die Realität in
gewissen Gegenden. Notwendig sind
nicht nur günstigere Medikamente,
sondern der Aufbau eines funktionierenden
Gesundheitssystems überhaupt.
Mit der Entwicklung
neuer Medikamente wie die Proteasehemmer
und ihrer breiten Anwendung seit
1996 wurden Hoffnungen geweckt,
die Aidserkrankung könne
geheilt werden. Inzwischen ist
eine deutliche Ernüchterung
eingetreten. Die HIV-Infizierten
und Aidskranken konnten von einer
deutlichen Verbesserung des Gesundheitszustandes
profitieren, aber HIV konnte bis
heute nicht eliminiert werden.
Die medikamentösen Behandlungen
sind mit erheblichen Nebenwirkungen
belastet, eine Erfahrung, die
ich in der Behandlung von HIV-Patienten
immer wieder mache.
Seit diesem Jahr
steigt auch in der Schweiz die
Zahl der neuen positiven HIV-Tests.
Dies überrascht nicht. Bereits
aus den USA und anderen Ländern
haben uns solche Meldungen erreicht.
Dies liegt sicherlich in der Vernachlässigung
der präventiven Bemühungen.
Ausserdem glauben viele Menschen,
dass HIV heilbar sei. Leider nicht!
Gerade deshalb sollte das ganze
Gewicht auf die HIV-Prävention
gelegt werden. Die AIDS-Aufklärung
Schweiz, ein ärztlicher Verein,
setzt sich seit seiner Gründung
1989 für eine wissenschaftliche
und ethisch fundierte Aidsaufklärung
ein. Neben einer treuen Paarbeziehung
und der Anwendung des Präservativs
hat auch der HIV-Test seinen festen
Platz. Nur wenn wir alle diese
Präventionsmöglichkeiten
nutzen, erreichen wir breite Bevölkerungskreise.
Am 2. Oktober 2000
hat das Bundesamt für Gesundheit
(BAG) eine Kurskorrektur in der
HIV-Prävention bekanntgegeben:
«Die frühzeitige Kenntnis
einer HIV-Infektion ist eine wichtige
Voraussetzung, um die neuesten
wirksamen Therapiemöglichkeiten
optimal zu nutzen.» Daher
sollen alle diejenigen, die sich
einer Risikosituation ausgesetzt
haben, zum HIV-Test aufgefordert
werden. In einer von 30 Ärzten
unterzeichneten Erklärung,
die in der Schweizerischen Ärztezeitung
Anfang dieses Jahres erschienen
ist, hat die AIDS-Aufklärung
Schweiz diesen Standpunkt unterstützt.
Ich wünsche
dem Kongress ein gutes Gelingen.
Ich möchte an dieser Stelle
auch den Mitveranstaltern, dem
Collège Médical
Suisse pour lInformation
sur la Prévention du SIDA
(CMSIPS), für ihr Engagement
danken.
Antiretrovirale
Mehrfachtherapien
Dr. med. Pierre de Truchis
Leiter der infektiologischen
Abteilung im Hôpital Poincaré
in Garches
Trotz der gesicherten
bedeutenden Verbesserung der Krankheitsprognose
der HIV-Infektion im Zeitalter
der Mehrfachtherapien mit
einem anhaltenden Rückgang
der HIV-bedingten Morbidität
und Mortalität sind
die therapeutischen Probleme zahlreich
und ungelöst: Welches ist
der optimale Therapiezeitpunkt?
Mit welcher Startkombination und
welchen Umstellungsmöglichkeiten?
Wie die Langzeittoxizität
begrenzen? Wie die virale Resistenzbildung
kontrollieren? Welchen Platz einer
Immuntherapie einräumen?
Werden wir bald eine Viruseradikation
erreichen? Was sollen wir in folgenden
Situationen vorschlagen: Kinder,
Postexpositionsprophylaxe, Schwangerschaft,
multiresistente Stämme ...?
Welche Rolle spielen Resistenzentwicklungen
des Virus? Wie die Virusreplikation
in allen Zellkompartimenten blockieren?
Kann man Therapieunterbrüche
empfehlen und unter welchen Umständen?
Usw. Alle diese Fragen sind heute
Gegenstand von Debatten und zahlreichen
Studien.
Die Fortschritte
der Anti-HIV-Therapie beruhen
in erster Linie auf der Vielfalt
der verfügbaren Medikamente
(vgl. Tabelle 1), die Medikamente
erlauben verschiedene, jedem individuellen
Fall möglichst gut angepasste
Kombinationen.
Die Nukleosidanaloga
sind die ältesten Substanzen,
relativ einfach einzunehmen (1
oder 2 Einnahmen pro Tag von 1
bis 2 Tabletten), wirksam in Kombination
untereinander und mit anderen
Medikamentenklassen. Ein Nachteil
ist ihre mittel- und langfristige
Toxizität: Verdauungsstörungen,
Pankreatitiden (ddI), sensible
Neuropathie (ddC, d4T, ddI), Myopathie
(AZT), hämatologische Erkrankungen
(AZT und 3TC) oder Hepatitis,
mitochondriale Toxizität
mit Laktatazidose, die wichtige
Rolle in der Erzeugung der Lipodystrophien
und Stoffwechselstörungen.
Obwohl die Resistenzbildung gegen
Nukleoside bei jeder Substanz
nach einer eigenen Dynamik verläuft,
treten bei der Mehrheit der Vertreter
dieser Klasse Kreuzresistenzen
auf.
Die Proteasehemmer
(PI ) haben in Kombination mit
zwei Nukleosiden («Tritherapie»)
eine Senkung der Mortalität
und Morbidität um ungefähr
90% bewirkt. Ihre Einnahme ist
unkomfortabel (6 bis 16 Kapseln
pro Tag, eingebettet in ein bestimmtes
zeitliches und essensbedingtes
Vorgehen), und die Nebenwirkungen
sind oft gravierend: Verdauungsstörungen,
urogenitale Beschwerden, allergische
Hautreaktionen, Stoffwechselstörungen
und Lipodystrophien. Immerhin
ermöglicht die Verordnung
von Ritonavir in kleiner Dosis
(2x 100mg / Tag) in Kombination
mit einem zweiten Proteasehemmer
oft eine Reduktion der akuten
Toxizität und ein vereinfachtes
Einnahmeschema. Resistenzen gegen
PI werden fortschreitend erworben
durch Ansammlung von Mutationen
auf dem Proteasegen, was im Falle
einer Häufung zu einer Klassenresistenz
führt, immerhin mit einem
erhöhten therapeutischen
Index für die neuesten IP
(RTV + APV und RTV + LPV). Die
mit der Langzeitverträglichkeit
der IP verbundenen Schwierigkeiten
haben zu einem vermehrten Einsatz
der NNRTI geführt.
Die nicht-nukleosidanalogen
Reverse-Transkriptase-Hemmer (NNRTI)
zeichnen sich durch einfache Einnahme
aus (einmal täglich); sie
haben ein gemeinsames, rasch erworbenes
Resistenzprofil mit einer einzigen
Mutation auf der RT und vergleichbare
Unverträglichkeiten: allergische
Reaktionen (825%), teilweise
schwerwiegend, Hepatotoxizität
(NVP), neurosensorische und psychische
Störungen (EFV).
Zurzeit besteht
ein weitgehender Konsens über
die Therapieindikation: klinische
Symptome der HIV-Erkrankung, Abfall
der CD4-Zellen unter 350/mm3.
Kombinationen der ersten Wahl
können somit folgendermassen
aussehen: Tritherapie mit zwei
Nukleosiden und einem Proteasehemmer
(oder ein mit Ritonavir «geboosterter»
Proteasehemmer), 2 Nukleosidanaloga
und ein NNRTI, 3 Nukleosidanaloga
inkl. Abacavir oder eine Vierfachtherapie.
Ziel der Neubehandlung ist nun
die Blockierung der Virusreplikation
(Viruslast < 2050 Kopien/ml),
die einzige Möglichkeit,
das Virus langfristig unter Kontrolle
zu halten und ein Auftreten von
resistenten Mutanten zu verhindern.
Die Schwierigkeiten
sind erheblich bei der Behandlung
von Patienten, die bereits antiretrovirale
Medikamente erhalten und unerwünschte
Wirkungen gegen diese gezeigt
haben, sowie bei der Langzeit-Therapieadhärenz
(wie die Therapietreue verbessern?)
und dem Auftreten von Resistenzen.
Die Betreuung dieser Patienten
erfordert also eine aufmerksame
Analyse der Ursachen des Therapieversagens,
eine Überprüfung einer
adäquaten Dosierung, die
Genotypisierung bei Resistenz
und die Suche nach neuen Kombinationen
aus mindestens zwei oder drei
«empfindlichen» Medikamenten
in bezug auf den betreffenden
Stamm, die für den Patienten
annehmbar sind.
Aus allen diesen
Gründen ist die Suche nach
neuen, effizienteren Wirkstoffen
nötig, die nicht dieselben
Mutationen hervorrufen und von
der Verträglichkeit her tolerabel
sind, sowie neue Therapiestrategien
mit verbesserter Wirksamkeit und
Langzeitverträglichkeit:
neue Substanzen aus den bekannten
Substanzklassen, neue Medikamentenklassen
(Hemmer des Zelleintrittes des
HIV, Integrasehemmer usw.), immuntherapeutische
Ansätze (IL2, Impftherapie),
geplante Therapieunterbrüche
usw. Die Herausforderungen für
die nächsten Jahre sind vielfältig.
(Übersetzung:
AIDS-Aufklärung Schweiz)
Changing
Pattern of AIDS during the Era
of Highly Active Antiretroviral
Therapy (HAART)
Andrea Antinori
Chief of Clinical Department,
National Institute for Infectious
Diseases «Lazzaro Spallanzani»,
IRCCS, Rome
The introduction
of highly active antiretroviral
therapy (HAART) has dramatically
reduced the AIDS-associated morbility
and mortality and, as a consequence,
during 19961998 a decrease
in the incidence of most common
opportunistic infections (OI),
like Pneumocystis carinii pneumonia
(PCP), Mycobacterium avium-complex
disseminated disease (DMAC) and
CMV retinitis has been observed.
Patients responding to HAART and
having a sustained increase in
CD4 lymphocyte count appear to
be protected from OI, but the
risk of developing an OI for a
person receiving HAART is highest
during the initial months of treatment.
A major consequence of immunorecovery
due to HAART on disease management
is the discontinuation of OI prophylaxis.
There is strong evidence to support
the discontinuation of primary
prophylaxis for PCP and toxoplasmosis
once the CD4 cell count has been
sustained for >3 months above
200 cells/mmc and for DMAC if
CD4 rise above 100 cells/mmc.
Sufficient data were generated
to recommend discontinuing of
secondary prophylaxis for PCP,
DMAC, CMV retinitis and cryptococcosis
after sustained (>6 months)
immunorecovery and completed initial
therapy. However, a considerable
number of individuals are unaware
that they have HIV infection until
they present with an OI and other
patients develop these infections
because they are unable to attain
a durable response to HAART or
after breakthrough resulting from
failure of or poor adherence to
a recommended therapeutic regimen.
Moreover, a change in clinical
presentation and outcome of several
opportunistic disorders has been
well documented as result of the
impact of HAART. Among the changing
clinical course of AIDS during
HAART, a continuing morbidity
is sustained by neurologic complications
of HIV infection, by non Hodgkins
lymphomas (NHL) and inusual cancers,
and by HCV co-infection. Among
neurologic diseases a decline
of cryptococcal meningitis, primary
cerebral lymphoma (PCL) and HIV
dementia was observed, whereas
for toxoplasmic encephalitis and
progressive multifocal leukoencephalopathy
(PML) a stable trend still occurred.
Even though HAART had a strong
benefit on neurologic-related
mortality, half of neurologic
diagnoses was obtained in HAART-experienced
patients and disorders as PCL
or PML still negatively affected
the risk of death. Recent data
suggest that current antiretroviral
strategies have ameliorated KS
incidence but have a relatively
minor impact on NHL risk, and
a major decline in the incidence
of this disorder has not been
observed. A change of immunological
profile and of pathologic spectrum
of HIV-related NHL was also detected
as result of the impact of HAART.
Even though HAART significantly
affects response and survival
of NHL, this manifestation may
be expected to account for a greater
proportion of AIDS morbidity and
mortality in the next years. Finally,
HCV infection may act as a strong
co-factor of morbidity in HIV-population
receiving HAART. HIV/HCV co-infection
was associated to a more rapid
progression of HCV-related liver
diseases and to an increased risk
of antiretroviral drug-induced
hepatotoxicity. Moreover, HCV
seropositivity could represent
a negative prognostic factor in
HIV-infected subjects who respond
to HAART by impairing CD4-cell
recovery during treatment.
In conclusion, several
clinical manifestations still
occur despite HAART. Continued
monitoring of incidence trends
and diagnosis of new syndromes
or with different clinical course
compared to pre-HAART are important
priorities in the HAART era.
Die
Resistenzbildung bei der HIV-Kombinationstherapie
PD Dr. med. Keikawus Arastéh
Direktor der Klinik für
Innere Medizin / Infektiologie
des Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum,
Berlin
Die seit 1996 eingesetzte
hoch aktive antiretrovirale Therapie
(HAART) setzt sich aus mindestens
drei Medikamenten zusammen. Es
stehen zurzeit vier Medikamentenklassen
zur Verfügung: die Proteasehemmer,
die nukleosidalen Reverse-Transkriptase-Hemmer,
die nicht-nukleosidalen Reverse-Transkriptase-Hemmer
und die Fusionsinhibitoren (bisher
noch nicht zugelassen, zurzeit
in Phase III). Der Replikationszyklus
des HI-Virus wurde während
des Vortrages dargestellt, mit
Fusion, reverser Transkription,
Integration in die nukleäre
DNA, Virusreifung durch die Protease
und das Virus-Budding. Die Angriffspunkte
der antiretroviralen Medikamente
wurden erläutert. Zielzellen
der HI-Viren sind die CD4+-Zellen;
die Halbwertszeit der infizierten
ruhenden Memory-Zellen ist so
lang, daß eine Eradikationstherapie
vermutlich über Jahrzehnte
ununterbrochen eingenommen werden
müßte. Dies ist mit
den heutigen Medikamenten nicht
möglich (Langzeittoxizität,
rasche Resistenzbildung und die
Notwendigkeit einer hohen Adhärenz
von über 95).
Ursache der Mutationen
ist die hohe Fehlerrate von 1:10
000/bp des Enzyms reverse Transkriptase.
Bei der Umschreibung eines Virusgenoms
entsteht eine meist harmlose
Mutation. Am Anfang einer
HI-Infektion sind nur wenige Quasispezies
nachzuweisen. Im Verlauf der chronischen
Infektion kommt es auch
ohne Medikamente zu einer
Diversifikation mit einer Vielzahl
von Quasispezies. Unter Selektionsdruck
(Medikamentengabe) vermehren sich
vor allem ART-resistente Mutanten.
Häufige Ursachen einer solchen
Resistenzentwicklung sind unregelmäßige
Medikamenteneinnahmen, unzureichende
Medikamentenspiegel (hohe intra-
und interindividuelle Variabilität
in der Resorption und Metabolisierung
der PIs und NNRTIs),
die Übertragung von resistenten
Viren und ein Versagen der immunologischen
Abwehr.
Man unterscheidet
Primär- und Sekundärmutationen.
Die «Keymutation»
führt zu einer verminderten
Bindung zwischen Medikament und
Enzym, die Sekundärmutation
führt hingegen zu einer höheren
viralen Fitness. Bisher bekannte
Mechanismen sind hierbei das «Primer-unblocking»
durch verstärkte Pyrophosphorylierung
und eine erhöhte Prozessivität
der reversen Transkriptase (Meyer
et al. 1999).
Die Methoden der
Resistenzbestimmung wurden vorgestellt.
Die Phänotypisierung erfolgt
an Zellkulturen, sie gibt die
Minderung der Empfindlichkeit
gegenüber einem bestimmten
Medikament im Vergleich zum Wildtyp
an. Bei der Genotypisierung werden
das Pol-Gen (Protease und reverse
Transkriptase) sequenziert und
die gefundenen Mutationen mit
Hilfe von Datenbanken und Algorithmen
interpretiert. Die Genotypisierung
wird häufiger eingesetzt,
sie ist einfacher und schneller
durchzuführen, ihre Interpretation
bedarf jedoch Expertenmeinung.
Die wichtigsten
Mutationen und deren Interpretation,
die US-Konsensus-Empfehlungen
(Hirsch 2000) und die europäischen
Richtlinien zur Resistenztestung
(Miller 2001) wurden diskutiert.
Der Nutzen der Resistenztestung
wurde bisher in mehreren prospektiven
Studien nachgewiesen (Viradapt
1999).
Fazit: rasche Resistenztestung,
frühzeitiges Drug Monitoring
und eine vertrauensvolle Arzt-Patienten-Bindung
verhindern das Auftreten von multiplen
Resistenzen unter HAART.
Faktoren
der Non-Progression bei HIV-Infizierten
Dr. Camille Haslin
Projektleiterin an der Forschungsabteilung
für Retroviren und assoziierte
Krankheiten (Aubagne/Marseille)
und enge Mitarbeiterin von Prof.
J.-C. Chermann
Gewisse Personen,
die schon seit mehr als zehn Jahren
mit dem HI-Virus angesteckt sind,
zeigen keinerlei Anzeichen einer
klinischen Erkrankung und gelten
deshalb als «Non-Progressoren».
Wir haben diese Patienten während
mehreren Jahren beobachtet, um
die verschiedenen Mechanismen
zu analysieren, die ein Fortschreiten
der Krankheit verhindern.
Der erste Faktor
rührt vom Virus selber her,
das aufgrund seiner grossen genetischen
Variabilität und seiner zahlreichen
Mutationen nur schwach zytopathogen
oder sogar nicht infektiös
sein kann und nur ein langsames
Fortschreiten der Krankheit bewirkt.
Hinzu kommt, dass gewisse Viren
Makrophagen als Zielzellen haben.
Diese Viren können reversible
lentivirale Krankheiten hervorrufen,
wie z.B. neurologische und kutane
Phänomene, ohne eine Immunschwäche
zu erzeugen, da sie ja die Lymphozyten
nicht angreifen.
Der zweite Faktor
für die Stagnation der Krankheit
kann mit der Zielzelle selbst
zusammenhängen, und zwar
mit der genetischen Modifikation
eines oder mehrerer Korezeptoren,
welche die Bindung des Virus an
die Zielzelle ermöglichen.
Eine Deletion von 35 Basenpaaren
beim Korezeptor CCR5 führt
beispielsweise dazu, dass dieser
Rezeptor nicht mehr auf der Makrophagenoberfläche
exprimiert wird.
Der dritte Schutzmechanismus
beruht auf der Immunantwort des
Organismus. Gemeint sind hier
das Vorhandensein von zytotoxischen
CD8-Lymphozyten, welche die infizierten
Zellen beseitigen, und die Produktion
von neutralisierenden Antikörpern.
Diese neutralisierenden
Antikörper, die wir in unserem
Labor untersuchen, sind gegen
das R7V gerichtet, ein Epitop
der Virushülle. Sie neutralisieren
sämtliche Virustypen, unabhängig
von deren Ursprung, Mutationen,
Zielzellen und sogar der Resistenz
auf die gebräuchlichen antiviralen
Substanzen.
Das Vorkommen dieser
Anti-R7V-Antikörper wird
mit einem ELISA-Test bestimmt,
womit die Patienten in Progressoren
ohne Antikörper und antikörperproduzierende
Non-Progressoren unterschieden
werden können.
Der ELISA-Test stellt
demnach einen wichtigen Zusatzmarker
für den Therapieeinstieg
bei Progressoren dar.
Schliesslich stellen
die Anti-R7V-Antikörper einen
neuen Therapieansatz für
Patienten mit Therapieversagen
dar.
(Übersetzung:
AIDS-Aufklärung Schweiz)
Die
verschiedenen Aspekte der HIV-/Aids-/STD-Prävention:
Die Rolle der WHO
Dr. Antonio C. Gerbase
WHO, Abteilung HIV-/Aids-Prävention,
Genf
Die WHO versucht,
die Ausbreitung von HIV/Aids durch
die Primärprävention
und die Behandlung der anderen
sexuell übertragenen Krankheiten
zu verlangsamen. Sie fördert
die Pflege und den Beistand für
die Kranken.
In den zwanzig Jahren
seit der ersten klinischen Beschreibung
des erworbenen Immundefizienzsyndroms
hat sich Aids zur zerstörerischsten
Krankheit, die die Menschheit
je gekannt hat, entwickelt. Seit
Beginn der Epidemie haben sich
60 Millionen Menschen mit dem
Virus angesteckt. HIV/Aids ist
heute die wichtigste Todesursache
in Afrika südlich der Sahara.
Weltweit steht Aids in der Rangliste
der tödlichen Krankheiten
auf dem vierten Platz.
Gemäss Schätzungen
lebten Ende 2001 weltweit 40 Millionen
Menschen mit HIV. In zahlreichen
Entwicklungsländern erfolgt
die Ansteckung über sexuelle
Kontakte unter jungen Erwachsenen;
insbesondere junge Frauen sind
davon stark betroffen. Von den
heute angesteckten Personen mit
HIV/AIDS sind ungefähr ein
Drittel 15 bis 24 Jahre alt. Die
meisten von ihnen wissen nicht,
dass sie Träger des Virus
sind. Millionen andere wissen
entweder nichts über das
HI-Virus oder zuwenig, wie man
sich davor schützen kann.
Weltweit sind schätzungsweise
340 Millionen Personen mit Gonorrhoe,
Syphilis oder Trichomonaden (behandelbare
sexuell übertragbare Krankheiten)
infiziert. Alle Kontinente sind
gleichermassen betroffen: in Westeuropa
17 Millionen Menschen, in Afrika
und im Nahen Osten 10 Millionen,
in Afrika südlich der Sahara
69 Millionen und in Südostasien
151 Millionen. Es ist in den letzten
Jahren klar geworden, dass HIV-Prävention
immer auch Screening und Behandlung
dieser sexuell übertragbaren
Infektionskrankheiten erfordert.
In der HIV-Prävention
sind folgende Ziele zu verfolgen:
Förderung eines risikoärmeren
Sexualverhaltens durch die Gesetzgebung,
durch die Förderung des Präservativgebrauchs,
durch Aufklärung und Erziehung
sowie durch freiwilliges Testen
und individuelle Beratung. Die
Hauptzielgruppen der WHO in den
Jahren 2001 und 2002 sind Jugendliche,
Prostituierte, Drogenkonsumenten,
homosexuelle Männer und Inhaftierte.
Der freiwillige HIV-Test ist auch
ökonomisch eine sinnvolle
Massnahme, da er mit geringem
finanziellen Einsatz grosse Kostenfolgen
verhindern kann. In neun afrikanischen
Ländern existieren Pilotprojekte
dazu. Wichtig sind auch die Programme
zur Verbesserung der Sicherheit
von Bluttransfusionen und diejenigen
zur Verhinderung der HIV-Übertragung
auf das ungeborene Kind; letztere
insbesondere durch den Einsatz
antiretroviraler Medikamente.
Schliesslich unterstützt
die WHO auch verschiedene Impfstudien
in Entwicklungsländern im
Rahmen der HIV-Forschung.
(Zusammenfassung:
AIDS-Aufklärung Schweiz)
Ein
Arzt als Versuchsperson in den
Studien der Nationalen Französischen
Aidsforschungsvereinigung
Dr. med. Régis Brancolini
Allgemeinarzt und Psychiater,
Marseille
In meinem Beitrag
am Symposium habe ich meine freiwillige
Teilnahme bei mehreren Verträglichkeitsstudien
für mögliche Impfstoffe
gegen HIV geschildert.
1994 las ich in
einer allgemeinmedizinischen Fachzeitschrift,
dass die Agence Nationale de Recherche
contre le Sida ANRS Freiwillige
für Impfversuche suchte.
Das Inserat bestand aus zwei Zeilen
und enthielt als einzige Auskunft
die Adresse des ANRS.
Eine Woche später
habe ich geschrieben und um weitere
Auskünfte gebeten
eigentlich mehr aus Neugier, denn
aus Interesse. Das ANRS sandte
mir daraufhin Unterlagen zum Ausfüllen
mit einigen Fragen zu meiner Motivation
und einem medizinischen Fragebogen.
Zwei Monate nach
der Beantwortung dieser Fragen
erhielt ich einen Brief, in dem
ich aufgefordert wurde, mit dem
zuständigen Sekretariat für
die Impfversuche einen Termin
für eine medizinische Untersuchung
und eine psychiatrische Befragung
auszumachen.
So fuhr ich einige
Wochen später nach Paris
und traf mich mit einem der Forscher
und einer Psychiaterin. Der Arzt
aus dem Forschungsteam erklärte
mir sehr ausführlich, was
die Versuche beinhalteten und
welches die Vorteile für
die Wissenschaft, aber auch die
Unannehmlichkeiten für mich
seien. Trotzdem habe ich ohne
Zögern meine Teilnahme zugesagt
...
Ich wurde in drei
verschiedene Versuche mit zwei
verschiedenen Impfpräparaten
während einer Gesamtdauer
von sechs Jahren eingeschlossen.
Ich musste regelmässig
nach Paris reisen, um im Hôpital
Cochin gemäss dem Studienprotokoll
eine Kontrolluntersuchung mit
Blutentnahme vornehmen zu lassen
und die Impfpräparate zu
erhalten.
Die Impfstoffe setzten
sich aus mehreren HIV-Antigenen
zusammen (gag, nef, p24 ...) und
wurden mit einem Träger (Kanari-Pox-Virus)
in den Arm injiziert.
Während den
ganzen sechs Jahren habe ich nur
einmal Nebenwirkungen verspürt;
dies in Form eines leichten pseudogrippalen
Syndroms in den 36 Stunden nach
der ersten Injektion beim ersten
Impfversuch. Abgesehen davon habe
ich nie störende Nebenwirkungen
gehabt. Mein einziges Problem
waren die unzähligen Streiks
im öffentlichen Verkehr.
Meine Motivation
zur Teilnahme an den Versuchen
ist nicht so einfach zu erklären,
wie das ja oft mit Motivationen
der Fall ist. Zuerst einmal habe
ich die Versuche angenommen, weil
ich keine Ängste oder Vorbehalte
gegenüber der Forschung und
gegenüber therapeutischen
Experimenten hatte. Zudem hatte
ich zum Zeitpunkt, als ich 1994
das Inserat las, einen engen Freund
verloren; es war einer meiner
ehemaligen Lehrer am Gymnasium,
er war an Aids gestorben. Schliesslich
hat mich sicher auch eine gewisse
Abenteuerlust auf diesen Weg geführt.
Von diesen dreien, dem «humanistischen»
Teil, dem persönlichen Kummer
und dem Abenteuer, hat wahrscheinlich
die Neugier für Unbekanntes
den Ausschlag gegeben.
Ich habe nicht das
Format eines grossen Pioniers,
aber ich stelle gerne folgenden
Vergleich an: Jedermann geht gerne
an den Strand oder zum Wintersport;
dabei zieht die Mehrheit der Leute
überwachte Strände und
markierte Pisten vor.
Bevor die Strände
abgegrenzt werden, wo man ohne
Risiken baden kann, und bevor
die befahrbaren Pisten abgesteckt
sind, braucht es jedoch «Entdecker»,
die die ausgetretenen Wege verlassen
und dorthin vorstossen, wo man
keinen Boden mehr unter den Füssen
hat.
Ich glaube, dass
ich von diesem Entdeckergeist
etwas habe.
(Übersetzung:
AIDS-Aufklärung Schweiz)
Prävention
der maternofötalen HIV-Übertragung
Prof. Dr. med. Jean-Yves
Gillet
Universitätsspital Nizza
Dank beachtlichen
Fortschritten konnte die maternofötale
Übertragungsrate bei schwangeren
Frauen von 25% auf unter 2% gesenkt
werden.
Die Planung einer
Schwangerschaft muss unter Infektiologen,
Kinderärzten, Psychologen
und Geburtshelfern zusammen mit
dem Paar interdisziplinär
besprochen werden, wobei man drei
Aspekte beachten muss: den Immunstatus
und virologischen Status der Frau,
die Behandlungsanamnese und den
psychosozialen Hintergrund.
Die Prävention
der Mutter-Kind-Übertragung
des HIV-Virus basiert auf der
Anwendung einer antiretroviralen
Behandlung (AZT) der Mutter ab
dem dritten Trimester, einer AZT-Infusion
während der Entbindung und
der Behandlung des Neugeborenen.
Ganz entscheidend sind auch die
geburtshelferischen Massnahmen:
Prävention und Behandlung
von Infektionen im Genitalbereich,
Prävention von Frühgeburten
und eines vorzeitigen Blasensprungs,
Kaiserschnitt zwei Wochen vor
dem Geburtstermin.
Mehrfachtherapien
werden teilweise empfohlen; hier
stellt sich jedoch das Problem
der Embryofötotoxizität
der Medikamente und der mittel-
und langfristigen Auswirkungen
der Behandlung auf das Kind.
Die therapeutische
Strategie muss sich nach der individuellen
Situation und dem immuno-virologischen
Status der schwangeren Frau richten.
Die Verordnung von
AZT und die Empfehlung einer prophylaktischen
Sectio stellt insbesondere bei
asymptomatischen Schwangeren den
Grundpfeiler der Behandlung während
der Schwangerschaft dar.
Im Falle einer vorausgehenden
antiretroviralen Behandlung oder
im Falle einer Immunschwäche
wird die Behandlung in der Regel
unter Ausschluss fötotoxischer
Medikamente fortgesetzt, und es
sind insbesondere Bitherapien
indiziert.
In Frankreich sind
die meisten seropositiven schwangeren
Frauen zurzeit asymptomatisch.
Die gynäkologisch-geburtshilflichen
Abteilungen in Regionen mit hoher
Prävalenz sind seit zwei
Jahren mit einem wachsenden Schwangerschaftswunsch
von seropositiven Frauen konfrontiert.
(Übersetzung:
AIDS-Aufklärung Schweiz)
HIV-Prävention
in der Arztpraxis
Dr. med. Kurt April
Psychiater, Horgen
Nachdem in den industrialisierten
Ländern seit mehreren Jahren
die Prävalenz von Aidserkrankungen
und Aidstodesfällen kontinuierlich
abgenommen hat, steigt in einigen
dieser Länder die Inzidenz
der HIV-Infektion wieder an. So
wurden in der Schweiz im vergangenen
Jahr 13% mehr HIV-positive Tests
gemeldet.
Diese Zahlen zeigen,
dass die Frage nach einer effektiven
HIV-Prävention aktuell bleibt.
In diesem Referat werden Möglichkeiten
zur HIV-Prävention in der
Arztpraxis aus praktischer Erfahrung
vorgestellt. Wie kann der Arzt
in der Allgemeinpraxis, aber auch
in der Facharztpraxis präventiv
wirken? Anhand von praktischen
Beispielen und Erfahrungen mit
der Integration von theoretischen
Überlegungen, wie des transtheoretischen
Modells von Prochaska oder der
sozial-kognitiven Lerntheorie
von Bandura (z.B. self-efficacy)
in der Arztpraxis, soll der Zuhörer
ermutigt und besser befähigt
werden, in seiner täglichen
Arbeit mit dem Patienten erfolgreiche
HIV-Prävention zu leisten.
Studien ergaben,
dass auch in der Schweiz gegen
50% der HIV-Infizierten erst kurz
vor der Diagnose Aids von ihrer
Ansteckung erfahren und somit
vielleicht während 10 Jahren
unwissentlich ihre(n) Sexualpartner
mit HIV anstecken können.
Gerade vor diesem
Hintergrund ist der HIV-Test ein
wichtiger Teil der HIV-Prävention
in der Arztpraxis, denn das Wissen
um den eigenen HIV-Serostatus
bildet eine wichtige Voraussetzung
für adäquates Verhalten
in der Sexualität.
Der HIV-Test ist
ein wichtiges Vehikel zur HIV-Prävention
in der Arztpraxis: Durch die Blutentnahme
wird beim Patienten ein persönliches
Interesse an der HIV-Prävention
geweckt. Er bekommt «schwarz
auf weiss» ein Resultat,
was ihn bei der Blutentnahme oder
bei der Besprechung empfänglicher
und interessierter für Informationen
und Fragen rund um die HIV-Prävention
macht. In solchen Momenten sind
die Patienten meist auch bereit,
über ihr Sexualleben und
-verhalten zu sprechen, was ein
wichtiger Ausgangspunkt für
ein vertrauliches Gespräch
über eine massgeschneiderte
individuelle HIV-Prävention
ist.
Die Untersuchungen
zum Stufenmodell von Prochaska
zeigen, wie wichtig es ist, den
Menschen dort abzuholen, wo er
steht, und ihm in kleinen Schritten
zu Verhaltensänderungen zu
verhelfen. Meist genügt ein
Gespräch nicht, sondern es
braucht von der Absichtslosigkeit,
sein Verhalten zu ändern,
über Motivation, eine Auseinandersetzung
mit der HIV-Frage, bis jemand
aktiv sein Verhalten ändert
und schliesslich ein risikoloses
oder zumindest risikoarmes Verhalten
dauerhaft beibehält. Eine
massgeschneiderte individuelle
Prävention bedeutet auch,
eine individuelle Präventionsempfehlung
zu geben (z.B. sorgfältige
Partnerwahl, Abstinenz oder Kondomgebrauch),
die dem Menschen entspricht und
die er auch bereit ist durchzuführen.
Verschiedene Untersuchungen
haben auch gezeigt, dass der Arzt
(des Vertrauens) von den Menschen
ernst genommen wird, so dass sich
die Mühe für den Praktiker
«lohnt», individuell
und immer wieder auf Verhaltensänderungen
des Patienten hinzuarbeiten.
Zukunftsperspektiven
der genetischen Therapie bei
Aids
Prof. Kamel Sanhadji und
Prof. Jean-Louis Touraine
Forschungslabor für Retrovirologie
und Immundefizite, Universität
Claude Bernard, Lyon
Abteilung für Klinische
Immunologie, Hôpital Edouard
Herriot, Lyon
Die Fortschritte
in der Aidsforschung haben hochaktive
medikamentöse Kombinationstherapien
ermöglicht. Diese sehr hilfreichen
Behandlungen stossen jedoch in
unseren Ländern auf verschiedene
Probleme, wie erworbene Resistenzen
oder Nebenwirkungen, und in den
Entwicklungsländern auf fehlende
Mittel dafür.
Grosse Hoffnung
wird durch die Resultate der Tierversuche
in der Anti-HIV-Gentherapie hervorgerufen.
Die laufenden Forschungsarbeiten
haben die optimalen Bedingungen
für diese Behandlung im Hinblick
auf eine Anwendung beim Menschen
und eine dauerhafte Wirksamkeit
zu bestimmen.
Hemmung der regulierenden
Funktionen der HIV-Proteine tat
und rev
Die Studien über
die Gene tat und rev haben gezeigt,
dass bestimmte Mutationen in den
Aktivierungsdomänen Mutanten
erzeugen können, die jegliche
aktivierenden Eigenschaften des
HIV verloren haben und vor allem
fähig sind, die Wirkung der
ursprünglichen Proteine zu
blockieren, indem sie ihren Platz
kompetitiv einnehmen. So haben
diese inhibierenden und transdominanten
tat- und rev-Mutanten, die im
Tiermodell SCID-Hu in vitro und
in vivo exprimiert werden, in
unseren Versuchen eine eindrückliche,
nahezu vollständige Hemmung
der Vermehrung des HIV-1 bewirkt.
Interferone (IFN)
Die Anti-HIV-Aktivität
der IFN-Gene a, b und g wurde
am Modell der SCID-Hu-Maus mit
einer In-Vivo-Inokulation getestet.
Die HIV-1-Infektion induziert
bei SCID-Hu-Mäusen eine starke
Produktionssteigerung von IFN-a
und -b, welche die Replikation
und die Viruslast hemmen, während
das IFN-g die Infektion trotz
wirkungsvoller Exprimierung kaum
bremst. Die IFN-Synthese ist hier
durch das HIV induzierbar, und
dies unter Kontrolle des tat-Gens
des HIV-1. Deshalb hört die
Interferonsynthese mit dem Verschwinden
der HIV-Infektion auf.
Lösliches
CD4-Molekül (sCD4) und neutralisierende
Anti-gp41 (2F5)-Antikörper
Diese zwei Moleküle
(sCD4-IgG und 2F5), die aus
dem organoiden System gewonnen
werden, haben wir am Modell
einer immundefizienten «humanisierten»
SCID-Maus getestet (Transplantation
eines menschlichen «Mini-Immunsystems»
in Mäuse, genannt SCID-Hu-Mäuse).
Die Beobachtung der plasmatischen
und zellulären Viruslast
und der HIV-1-Replikation nach
Entnahme einer Zellkultur bei
so behandelten SCID-Hu-Mäusen
zeigte in vivo eine massive
Reduktion der Viruslast und
-vermehrung um das 1000- bis
100 000fache.
(Übersetzung:
AIDS-Aufklärung Schweiz)
Das
HI-Virus Ursache von
Aids und seinen Begleitkrankheiten
Perspektiven für Therapie
und Impfung
Prof. Dr. Jean-Claude Chermann
Mitentdecker des
HI-Virus, Direktor der Forschungsabteilung
über Retroviren und assoziierte
Krankheiten in Aubagne/Marseille,
ehemaliger Direktor des INSERM
in Luminy/Marseille.
Das Humane Immundefizienzvirus
ist ein Retrovirus aus der Familie
der Lentiviren. Es ist CD4-lymphotrop
und zytopathogen für die
T-Lymphozyten. Auf genetischer
Ebene ist es ein komplexes Retrovirus,
welches neben den Strukturgenen
(gag, pol, env) Regulatorgene
(tat, rev, nef) und zusätzliche
Gene (vif, vpr, vpu) aufweist,
die es ihm ermöglichen, seine
Vermehrung, seine Infektiosität
und seine Übertragung von
einer Zelle zur anderen selbst
zu steuern. Dieses Virus zeichnet
sich durch seine hohe Variabilität
aus, welche erklärt, warum
jedes einzelne Virus sich vom
anderen unterscheidet: Nicht nur
von einem Wirt zum anderen besteht
ein Unterschied, sondern auch
innerhalb einer infizierten Person
je nach Verlauf der Krankheit
und antiviralen Behandlungen.
Jeder Zielzelle
entspricht ein Krankheitsbild:
Wenn der CD4-positive Lymphozyt
Zielzelle ist, dann verursacht
HIV Aids. Wenn der Makrophage
die Zielzelle ist, dann verursacht
HIV Begleitkrankheiten: Demenz
(infizierte Makrophagen im Gehirn);
Pneumopathie (infizierte Makrophagen
in der Lunge); Polyarthritis (infizierte
Makrophagen in der Synovialflüssigkeit)
...
Wenn die Intestinalzellen
Zielzellen des HIV sind, verursacht
es ein Malabsorptionssyndrom (Gewichtsverlust),
reine Durchfälle, oder es
aktiviert Papillomaviren, was
zu anorektalen Karzinomen führt.
Eine der zuletzt identifizierten
Zielzellen ist Vorläufer
der Blutbildungszellen, was eine
Lymphopenie, Anämie und Thrombopenie
hervorruft.
Seine genetische
Komplexität, seine zahlreichen
Mutationen und die Vielfalt seiner
Zielzellen weisen auf die Schwierigkeit
einer effizienten Therapie hin.
Das Virus schlägt die antiviralen
Substanzen durch Resistenzbildung,
was trotz der Kombinationstherapie
zu einem Wiederanstieg der Virusmenge
führt.
Die Mutationen der
Hüllglykoproteine verunmöglichen
eine Impfung nach klassischem
Prinzip.
Wir haben einen
neuen Ansatz für eine Behandlung
mit therapeutischen Antikörpern
und für die Entwicklung einer
Schutzimpfung entwickelt, indem
wir die Non-Progressoren beobachtet
(vgl. Vortrag von Frau C. Haslin)
und versucht haben, eine gemeinsame
Struktur bei allen Virusisolaten
zu finden.
In dieser Studie
haben wir ein Epitop namens R7V
entdeckt, das an die Virushülle
gebunden und allen Isolaten gemeinsam
ist. Durch die Entwicklung eines
ELISA-Tests, haben wir das Vorkommen
von schützenden Anti-R7V-Antikörpern
bei HIV-infizierten Non-Progressoren
gezeigt. Diese Anti-R7V-Antikörper
wirken neutralisierend und immunpräzipitierend
auf alle geno- und phänotypisch
verschiedenen Virusstämme.
Ausserdem ist das R7V-Epitop immunogen
und induziert die Bildung von
neutralisierenden Antikörpern
beim Tier.
Aus all diesen Gründen
ist das R7V ein hoffnungsvoller
Kandidat als Grundlage einer Anti-HIV-Impfung.
(Übersetzung:
AIDS-Aufklärung Schweiz)
Die
Aktivitäten von «Médecins
sans frontières»
Schweiz in Guatemala
Dr.
med. Olivier Dechevrens
Direktor von Médecins
sans frontières (MSF-CH),
Genf
Einige
Fakten ...
Bevölkerung:
etwa 11 Millionen Einwohner, davon
40% in städtischen Agglomerationen
Fläche:
ungefähr 2,6mal so gross
wie die Schweiz
Lebenserwartung:
64 Jahre
57%
der Bevölkerung leben von
weniger als 2 $ pro Tag und Person;
27% der Bevölkerung leben
von weniger als 1 $ pro Tag und
Person
... in
bezug auf HIV
Von 1984 bis
Mitte 2001 haben sich ungefähr
76 000 Erwachsene infiziert (1,36%
der erwachsenen Bevölkerung),
und ungefähr 4100 sind an
Aids erkrankt. Diese Zahlen sind
sicher eine Unterschätzung,
dies wegen der sozialen Stigmatisation
im Zusammenhang mit dieser Krankheit.
Die gualtematekische
Regierung ist, nicht zuletzt unter
dem Druck der Vereinigungen der
Zivilgesellschaft, willens, Aids
zu bekämpfen. Gesetze wurden
verabschiedet, die noch in Kraft
gesetzt werden müssen.
HIV-/Aids-Programme
von MSF-CH in Guatemala
Prävention
und Information über sexuell
übertragbare Krankheiten
(STD) und Aids
in
städtischem Milieu in Guatemala-City
in
ländlichem Milieu, welches
stark von der traditionellen Maya-Kultur
beeinflusst ist (Quetzaltenango)
Das Projekt
zielte auf Risikogruppen (Sexarbeiter
und ihr Umfeld), lokale Apotheker
(vor allem für die «empirische»
Behandlung von Geschlechtskrankheiten)
sowie auf die Frauen, Lehrer und
Schüler in den Gemeinden.
Ausarbeitung
von geeignetem didaktischem Material:
einfach
in der Anwendung
das
eine «offene» Information
und Diskussion ermöglicht
(visuelle Botschaft vorrangig
vor dem Text)
mit
den dargestellten Situationen,
den Kostümen, dem Einbezug
von Texten auf spanisch und in
der Maya-Sprache werden typische
Elemente der Alltagsrealität
des Zielpublikums behandelt, womit
sich die Leute von dem Problem
unmittelbar betroffen fühlen
die
Themen werden ohne Umschweife
angesprochen: allgemeine Information
über die Krankheit, die Übertragungswege,
die Präventionsmöglichkeiten
(Treue, Abstinenz und Präservative
für die vorherrschende sexuelle
Übertragung).
Die aktive
Teilnahme von Gemeindemitgliedern
erlaubt eine möglichst grosse
Verbreitung der Informationen,
mit der Aussicht auf eine Fortsetzung
auch nach Beendigung der direkten
Beteiligung von MSF (durch die
ausgebildeten Gruppen und mit
Unterstützung des Erziehungsministeriums).
Projekt
VIDA in Coatepeque
In Zusammenarbeit
mit einer lokalen Nichtregierungsorganisation
(Proyecto Vida), die Aufklärung,
Prävention und Beratung bietet,
inklusive Möglichkeit eines
HIV-Tests. Psychologische Unterstützung
für Patienten (durch Personal
oder im Rahmen von Gruppengesprächen),
soziale oder finanzielle Unterstützung
im Rahmen des Möglichen.
MSF beteiligt
sich, indem es diese Organisation
unterstützt und bei der Behandlung
von Patienten mit opportunistischen
Erkrankungen hilft sowie auch
mit der Lieferung von Material
und Medikamenten. Die Konsultationen
werden durch einen guatemaltekischen
Arzt gewährleistet, dies
in Zusammenarbeit mit dem nächsten
Spital (Röntgen, intensive
Behandlungen ...). Die Zahl der
Hilfesuchenden nimmt ständig
zu.
Projekt
für antiretrovirale Medikamente
(ARV), Roosevelt-Spital in Guatemala-City
Dieses Projekt
wird zusammen mit der infektiologischen
Klinik in den Räumlichkeiten
des Ambulatoriums durchgeführt.
Das MSF-Team
(Arzt, Apothekerin, Psychologe,
Krankenschwester) arbeitet dabei
mit den guatemaltekischen Ärzten
und Angestellten der Klinik zusammen.
Im April wurden
70 Patienten antiretroviral behandelt.
Diese Patienten sind meistens
gut informiert und organisiert
und motiviert, die Unannehmlichkeiten
der Behandlung auf sich zu nehmen.
Ein Teil von ihnen war schon intermittierend
mit ARV vorbehandelt worden
je nach ihren finanziellen Möglichkeiten,
ihrem Zugang zu den Medikamenten
etc. Aus diesem Grund wiesen diese
Patienten von Anfang an Resistenzen
gegen ihre Erstbehandlung auf,
und die Therapieprotokolle mussten
modifiziert werden.
Die Apothekerin
nimmt eine wichtige Rolle ein.
Ihre Arbeit ist nicht nur auf
das Verwalten und Verteilen der
Medikamentenvorräte beschränkt.
Sie steht in Kontakt zu jedem
Patienten, um sich zu vergewissern,
dass das Medikamenteneinnahmeschema,
die unerwünschten Wirkungen
etc. verstanden werden. Die Zeit,
die sie den Patienten widmet,
ist einer der Garanten für
die Compliance in der Behandlung,
welche im Zusammenhang mit dieser
chronischen Krankheit eine grundlegende
Rolle spielt.
Zur Betreuung
der Patienten gehört auch
ein psychosoziales Hilfsangebot.
Projekt
CAME in Guatemala und in Zentralamerika
Die Tätigkeit
am Patienten wird durch mehr politisch
gewichtete Aktivitäten ergänzt;
die wichtigsten Standbeine davon
sind:
- den Zugang zu kostengünstigen
und effizienten Behandlungen
im Land zu fördern
- die Koordination und
Beteiligung der verschiedenen
Akteure im Kampf gegen Aids
in Guatemala zu fördern
- in einem grossen Netzwerk
zu arbeiten (Regierung, UNAIDS,
pharmazeutische Industrie, Ärzte
und Medizinalpersonal, Betroffenenorganisationen
...)
- das Gedeihen anderer
regionaler Projekte von MSF
zu fördern (Honduras, Salvador,
Nicaragua)
- die Mithilfe bei der
Organisation von regionalen
Konferenzen über den Zugang
zu anti-retroviralen Medikamenten
und über HIV/Aids im allgemeinen.
(Übersetzung:
AIDS-Aufklärung Schweiz)
Geschichte
der weltweiten Aidsbekämpfung:
20 Jahre danach
Dr.
Daniel Tarantola
Beauftragter beim Generaldirektor
der WHO und Leiter der Abteilung
Impfungen und Bioprodukte, Genf
Das Referat
von Dr. Tarantola zeigt die Entwicklung
der Aidsbekämpfung in den
letzten 20 Jahren auf; die Reaktion
auf Aids und die getroffenen Massnahmen
hinkten der Epidemie dabei stets
hinterher. Aids ist ein bedeutendes
gesundheitliches Problem, das
in den 80er Jahren als Problem
des Nordens gesehen wurde, in
den 90er Jahren als Problem des
Südens, im Januar 2001 als
Problem für die Sicherheit
in der Welt und im Juni 2001 als
Schicksal für die Welt. Die
Aidsepidemie wirft in Anbetracht
der hohen Kosten für die
Behandlung von Aidskranken auch
viele ökonomische Fragen
auf. Dank intensiven Verhandlungen
mit der Pharmaindustrie und dem
Engagement der Nichtregierungsorganisationen
ist es gelungen, die Preise für
die antiretroviralen Medikamente
in den letzten Jahren markant
zu senken. In den Entwicklungsländern
steht der Aufbau der Gesundheitssysteme
an, in denen die HIV-Prävention
ihren Platz finden soll. Es gibt
verschiedene Finanzierungsmodelle
für die Betreuung und Behandlung
der Aidskranken, die von rein
privat finanzierten Projekten
(z.B. in Uganda) über staatlich
mitgetragene Projekte (z.B. in
Nigeria, Gabun), vollständig
durch den Staat bestrittene (z.B.
in Brasilien) und von der Weltbank
finanzierte Projekte (z.B. in
Äthiopien) bis zu durch Schuldenerlass
bezahlte Projekte (Kamerun) reichen.
Der Globale Aids- und Gesundheitsfonds
könnte neue Perspektiven
für die Zukunft eröffnen.
Es ist notwendig, die Bedürfnisse
der Länder zu klären,
bewährte Methoden einzusetzen
und eine Verbindung zwischen Prävention,
Behandlung und Forschung herzustellen.
Für ein gemeinsames Handeln
ist politische Führungskraft
unentbehrlich.
(Zusammenfassung:
AIDS-Aufklärung Schweiz)
HIV-
und Aidsdynamik die Epidemie
der Überraschungen
Lentiviren und Tardivepidemien:
Was wissen wir heute?
Dr.
med. Michael G. Koch
Epidemiologe und Distriktchefarzt,
Karlsborg/Schweden
Lentiviren
führen zu Tardivepidemien
mit Sonderzügen wie «Transienten»
und «Tardanten». Diese
a.a.O. erläuterten, unvertrauten
Phänomene sorgen, zusammen
mit trügerisch langen Inkubations-
und Latenzzeiten, für kontraintuitive
Entwicklungen, für «Unvorhergesehenes».
Dazu kommen andere gestaffelte
Verzögerungs- und Sättigungseffekte,
die das resultierende Bild komplizieren.
Das Ergebnis ist eine unerhört
komplexe Topologie der Infektionsrisiken
und ihrer Folgen Hygiene,
Klima, Kultur, Erziehung und das
individuelle menschliche Verhalten
bilden ein multikausales Netzwerk,
in dem einfache Beschreibungen
nicht greifen. Nach wie vor gilt
also: Aidsepidemiologie ist HIV-Archäologie,
und HIV-Epidemiologie ist nicht
unmittelbar sichtbar, sondern
das Ergebnis zielgerichteter Erhebungen,
die nach wie vor selten sind.
Weltweit erweist sich immer wieder:
Was in der Epidemiebekämpfung
wirklich hilft ist die konsequente
Infektionsvorbeugung, also Vorsicht,
Umsicht und «Vakzination»
mit Wissen, d.h. Kondomgebrauch,
Enthaltsamkeit und grosse Aufmerksamkeit.
In Westeuropa
ist die Aidsepidemie fast überall
in eine «Plateauphase»
eingetreten mit fast konstanten
Neuinfektionsraten, in Südeuropa
dominieren weiterhin die Drogensüchtigen
die fortgesetzte HIV-Verbreitung,
und in Osteuropa sind die HIV-Infektionen
auf breiter Front (Drogen, Prostitution,
Sextourismus, Homosexualität)
in fulminantem Anstieg begriffen.
In Asien sind es die volkreichen
südostasiatischen Länder,
in denen sich die Infektion heute
am schnellsten verbreitet, in
den Amerikas vor allem die Metropolen
mit ihren drogenbelasteten Slummilieus.
In der Karibik ist es besonders
ernst, da sich dort der Sextourismus
mit Armut und Elend der dritten
Welt mischt.
In Afrika,
dem nach wie vor am schlimmsten
betroffenen Kontinent, haben sich
die Aidszahlen (nach offiziellen
WHO-Angaben) folgendermassen entwickelt:
| Datum |
Aidsfallzahlen |
| 1985,
25. August |
10
|
| 1986,
10. April |
31
|
| 1986,
Juni |
352
|
| 1986,
Dez. |
2561
|
| 1987,
Dezember |
5800
|
| 1988,
11. Juni |
11
530
|
| 1989,
3. Februar |
21
213
|
| 1990,
31. März |
51
987
|
| 1991,
31. Januar |
83
010
|
| 1992,
1. Januar |
129
066
|
| 2000 |
ca.
880 000
|
| 2001,
7. Dezember |
*1
093 522
|
* Man notiere,
dass diese Zahlen zwar heute offiziell
verwendet werden und als «aktuell»
gelten, aber im Schnitt etwa 1
Jahr alt sind (das bedeutet bei
vielen Entwicklungsländern
seitdem einen wahrscheinlichen
Zuwachs von 50 bis 100%). Für
einige Länder sind sie seit
19951997 also 57
Jahre lang nicht mehr aktualisiert
worden. Das gilt für Entwicklungsländer
in mehreren Weltregionen. Allein
für die 9 Länder Kenia,
Südafrika (RSA), Zentralafrika
(RCA), Sambia, Simbabwe, Kolumbien,
Myanmar, China und Indien sind
zu den etwa 240 000 registrierten
Aidsfällen schon als Folge
einer (absichtsvollen?) Meldeverzögerung
weitere 900 000 Fälle anzunehmen.
Für Afrika etwa rechnet die
WHO heute mit höchstens 10%
gemeldeten Fällen, insgesamt
also mit etwa 1315 Millionen
kumulierten Aidsfällen. Die
Zahl der Infizierten in Afrika
schätzt die WHO heute
vorsichtig auf 3040
Millionen. Auch die Anzahl der
Aidswaisen übersteigt bereits
10 Millionen.
Wer sagt,
man konnte das «damals»
nicht besser wissen, lese nur
meine heute 1216 Jahre alten
Aidsbücher von 19851989
und unsere (M.G. Koch, J.J. Gonzales,
J. L'age-Stehr, D. Dörner)
Prognosen von 19871990,
die noch heute für die meisten
Länder darunter Schweden
mit der Wirklichkeit gut
übereinstimmen. Oder er betrachte
die folgenden Schätzungen
des Genfer Epidemiologen Dr. Bertrand,
die der Wahrheit ganz offensichtlich
sehr nahe kamen:
| Jahr |
Aidsfälle
in Afrika |
jährl.
Zuwachs |
| bis
1986 |
79
000
|
|
|
|
72
000
|
| 1987 |
151
000
|
|
|
|
109
000
|
| 1988 |
260
000
|
|
|
|
147
000
|
| 1989 |
407
000
|
|
|
|
186
000
|
| 1990 |
593
000
|
|
|
|
220
000
|
| 1991 |
815
000
|
|
|
|
242
000
|
| 1992 |
1
067 000
|
|
Wer diese
Annahmen vorsichtig weiterrechnete,
kam und zwar bereits
in den 80er Jahren für
das Jahr 2002 auf ca. 810
Millionen Aidsfälle in
Afrika. Das war kein Kassandraruf,
keine «Panikmache»,
sondern eine realistische Prognose.
Die Realität wurde nur
noch schlimmer.
Heute kündigen
sich unheilvolle Entwicklungen
in etlichen ehemaligen Sowjetrepubliken
mit umfassender Drogenproblematik
an, so etwa in der Ukraine. In
mehr als 20 Grundtypen breiten
sich die Quasispezies HIV-1 und
HIV-2 mit etlichen Zwischentypen
und Nebenlinien weiter aus. Wir
wissen inzwischen, dass ein einziger
Patient im proliferativen Stadium
bis zu 7 Milliarden HIV-Partikel
produziert, von denen etwa 0,1%
also etwa 7 Millionen
Mutanten sind. Das gibt der Verbreitung
und der weitergehenden Malignisierung
gute Chancen, den zahlreichen
Therapie- und Vakzinationsansätzen
eher schlechte.
Weltweit geschehen
heute laut WHO täglich etwa
15 000 Neuinfektionen. Von einer
Seucheneindämmung kann also
nicht die Rede sein. Es geht alles
wenn auch lente
ziemlich unbeeinflusst weiter,
so als sei dieses Lentivirus für
jedes neu betroffene Land, wie
einst nach den USA für Westeuropa,
immer von neuem neu. Die HIV-Verbreitung
ist in keinem Land der Welt, in
keiner Volks-, Alters- oder Risikogruppe
wirklich zum Stillstand gekommen.
Norwegen hat etwa 120, Schweden
250 und Nordamerika 40 000 Neuinfektionen
jährlich. Deutschland und
Holland wissen nicht, wie es steht
sie zählen immer noch
Aidsfälle, und die nehmen
dank effektiverer virostatischer
Therapie zurzeit markant ab. HIV-Infektionen
scheinen das nicht zu tun. In
vielen Ländern der Welt sind
sie einigermassen stationär,
in Norwegen und Schweden (wo man
sehr genau hinsieht und rechnet)
nehmen sie sogar zu (in Norwegen
diskret, in Schweden markant),
in der dritten Welt und in den
ehemaligen kommunistischen Ländern
des Ostens wachsen die Zahlen
zum Teil fulminant. Ähnlich
ernst ist es in vielen ehemaligen
Ostblockstaaten.
Für China
zeigt sich in der Gegenwart etwa
dasselbe wie früher für
Afrika: Die offiziellen Statistiken
hinken der Wirklichkeit weiterhin
hilflos nach.
China-Fallzahlen:
Aidsfälle nach WHO-Angaben
(2000): 707
Aidsfälle
nach WHO-Angaben (Dez. 2001):
1111
Aidsfälle
nach Chinas Angaben (2001/2002)
1495
WHOs
offizielle Schätzung der
HIV-Trägerzahl (2001): 28
000
eigene (gesundheitsministerielle)
Schätzungen Chinas (2001):
600 000
unabhängige
Schätzung der HIV-Trägerzahl
(Ende 2001): 1 600 000
Dazu ein Mosaikstein
der Wirklichkeit: In der volkreichen
Provinz Henan (92 Millionen Einw.),
nördlich Pekings, hat man
seit 1992 forciert Blutspender
animiert und gut bezahlt, um harte
Währungen aus dem Westen
einzunehmen (von Grossproduzenten
der Blutbranche). Das funktionierte
gut Millionen US-$ flossen,
vor allem in die Taschen des politischen
Establishments lokaler Kommunisten.
Fast alle Erwachsenen in den Dörfern
nahmen an dem unheilvollen Spiel
teil, immer wieder, bis mindestens
1996. Überall prangten Plakate:
Blutspenden ist edel, gut, lukrativ,
gesundheitsfördernd (sic!)
Man drängte die Spender
zu immer häufigerem Spenden
(alle 3 statt alle 10 Wochen
am Ende kamen einige fast täglich),
und um das zu ermöglichen,
refundierte man ihnen das um die
wertvollsten Bestandteile erleichterte,
gepoolte Restblut sie bekamen
also zurück, was nicht verwendet
wurde. Dieses refundierte Blut
aber war nun wie zu vermuten
mit HIV kontaminiert.
Einschlägige
Erfahrungen mit HIV, Blutspenden
und schlechter Hygiene hatten
dieses Risiko seit langem sinnfällig
dokumentiert: Valencia, Spanien
1986: 9 Infizierte; Indien
1989: mehr als 100 Infizierte
in beiden Fällen Blutspender;
Elista, Russland 1992:
ca. 300 Infizierte
Kinder, Mütter, Väter;
Kaliningrad, Russland 1996:
1700 Infizierte
junge Drogensüchtige, Blut
im Heroin; Rumänien
1996: 4000 Infizierte
Kinder, in allen drei Fällen
kontaminierte Spritzen oder Transfusionen).
Alle diese deutlichen Warnungen
wurden also in den Wind geschrieben.
Daher nun
die jüngste Katastrophe im
volkreichen China (1300 Millionen):
In dem Ort Donghu, etwa 4500 Seelen,
sterben heute die Menschen wie
die Fliegen an Aids. Von 1000
bis 2000 Erwachsenen, die Blut
gespendet haben, sind schon etwa
200 gestorben, fast der gesamte
Rest ist erkrankt. In Wenlou,
dem einzigen Ort, der komplett
getestet wurde, fand man 65% der
20- bis 45jährigen HIV-infiziert
oder aidskrank. Im Ort Houyang
fand man sogar 80% der getesteten
Einwohner infiziert. Insgesamt
schätzt man die Zahl der
in Henan infizierten Blutspender
auf etwa 1 Million, Sekundärfälle
nicht gerechnet. Dies allein erhöht
die Zahl der zu vermutenden HIV-Träger
in China auf etwa 1,6 Millionen.
Offiziell aber heisst es weiterhin:
1111 Aidsfälle und ca. 28
000 HIV-Träger. Erst Anfang
des Jahres 2002 beginnen auch
die chinesischen Behörden,
das Blutdesaster zuzugeben.
Eine aufmerksame
und mutige chinesische Ärztin
entdeckte das Desaster 1996, wurde
aber von den lokalen Politikern
bis 2001 abgeblockt. Sie durfte
nicht einmal zum Empfang einer
Belohnung ins Ausland reisen,
nachdem sie ihr privates Geld
für die Behandlung von Erkrankten
eingesetzt hatte. Der lokale gesundheitszuständige
Politiker hatte selbst an dem
makaberen Bluthandel jahrelang
gut verdient und zudem Lizenzen
an sechs nahe Verwandte vergeben
die alle schnell sehr reich
wurden. Daher durfte hier naturgemäss
kein Zweifel an den gängigen
Verfahren laut werden.
Die Motive, eine Panik fast um
jeden Preis zu vermeiden, sind
nicht immer edel.
Im bald ebenso
grossen Indien mit seinen 1000
Millionen Einwohnern ist die HIV-Verbreitungsdynamik
vermutlich noch ernster, dort
aber wohl vor allem infolge ausgedehnter
Prostitution. Die indischen Gesundheitsbehörden
rechnen heute mit 3 bis 8 Millionen
HIV-Infizierten und jährlich
etwa 1 Million Neuinfektionen.
Aber laut WHO-Liste von 2001,
die diese Schätzungen übergeht,
gab es dort nur 950 Aidsfälle.
Ende desselben Jahres hingegen
gibt man schon 8438 Aidsfälle
an aber die sind notiert
für den 31.8.1999, also vor
2 Jahren.
Vielsagenderweise
hat diese Infektionskrankheit
heute, gut 20 Jahre nach ihrer
Entdeckung, immer noch keinen
eigenen Namen (analog zur Tuberkulose
wäre das etwa die «Lentivirose»),
sondern wird nur anhand ihres
Erregers, HIV, als HIV-Infektion
und anhand ihres präfinalen
Stadiums, Aids, beschrieben. Das
ist, als vermiede man die Krankheitsbezeichnung
«Tuberkulose» und
verbesserte die öffentlichen
Zahlen dadurch, dass man nur die
ernstesten präfinalen Phthisisfälle
(Schwindsucht) des Tbc-Spätstadiums
zählte und ansonsten von
«Bazillenpositiven»
spräche.
Im April 1986
befand eine Gruppe von Epidemiologen,
Venerologen und Mikrobiologen,
von der WHO in Graz unter Leitung
von Prof. Velimirovic und Prof.
Bytchenko vom Europa-Zentrum der
WHO in Kopenhagen zusammengerufen,
dass Aidsepidemiologie eine
Art HIV-Archäologie darstelle,
da sie eine Verspätung um
über ein Jahrzehnt akzeptiere
und in ihren Betrachtungen «einfröre».
Man beschloss daher, der WHO zu
empfehlen, die Aidsepidemiologie
durch eine weitaus aktuellere
HIV-Epidemiologie zu ersetzen,
in sowohl «Surveillance»
als auch «Monitoring»,
um auf diese Weise viele Jahre
Zeit zu gewinnen. Diese Empfehlung
wurde einstimmig angenommen, denn
diese Gruppe von medizinischen
Fachleuten war noch in keiner
Weise politisiert. So etwa war
in ihr die «Betroffenenkompetenz»
genannte Betroffeneninkompetenz
noch so gut wie gar nicht vertreten.
Das Protokoll und die genannte
Schlussfolgerung (eines der ersten
internationalen WHO-Meetings zum
Aidsthema überhaupt) wurden
von der WHO-Führung vermutlich
niemals gelesen, denn selbst heute,
16 Jahre später, zählt
sie immer noch vor allem die Aidsfälle.
Eine grobe HIV-Statistik wird
nur einmal im Jahr zusammengestellt
und nicht durch systematische
Erhebungen gesichert. Wer die
epidemiologisch wichtigsten Angaben
verweigert, wird nicht effektiv
dazu gedrängt, sie zu erheben.
Länder, die inzwischen zu
einer konsequenten HIV-Statistik
übergegangen sind
wie etwa Norwegen und Schweden
, haben das auf eigene Faust
getan.
Wie sieht
unter diesen Umständen die
Zukunft aus? Trotz internationalen
Symposien und Aidstagen, trotz
Gesundheitsslogans und diversen
Namenslisten, trotz Aktivistenmeetings
und Massendemonstrationen der
Betroffenen, trotz Global Program
on AIDS (GPA), Act up, kilometerlangen
Quilts und UNAIDS mit allen ihren
Fonds und Hochglanzbroschüren
ist der Schwung der HIV-Ausbreitung
in weiten Teilen der Welt ungebrochen.
Mit steigenden Neuinfektionszahlen
erreicht sie ständig neue
Völker und lokale Risikopopulationen.
Wann wird der Elan geschwächt
werden? Erst dann, wenn alle Empfänglichen
erreicht sind? Und wie viele wären
das?
Da die (antibiotikabehandelbare)
Syphilisverbreitung erst bei etwa
200300 Millionen Infizierten
zu einem steady state gekommen
ist und die HIV-Infektion die
Syphilis bislang überall
überrundet hat, wo diese
zwei Geschlechtskrankheiten miteinander
konkurrierten (in südamerikanischen
Gefängnissen, in Barcelona
und Milano, in den Slums der USA-Metropolen,
in indischen und afrikanischen
Dörfern, unter Prostituierten
in Thailand und Westafrika, ja,
selbst in den heterosexuellen
Bevölkerungen Englands und
Skandinaviens), gibt es keinen
Anlass, auf einen Stillstand der
HIV-Ausbreitung unterhalb des
heutigen Syphilisstandes zu hoffen.
Hier ein klassisches Bild aus
Corum-Corum (Burkina Faso), wo
man schon vor vielen Jahren eine
grosse Gruppe von Prostituierten
testete:
| Syphilis |
HIV |
HBV-Antigen |
|
42%
|
68,4%
|
21,1%
|
Diese Zahlen,
bestätigt von vielen STD-Kliniken
und auch aus dem Drogenmilieu,
verheissen nichts Gutes. Derselbe
Trend ist ausserdem in so unterschiedlichen
Milieus wie einem afrikanischen
Krankenhaus, einem indischen Bordell,
einem thailändischen Dorf,
einem südamerikanischen Gefängnis
und einem nordeuropäischen
Land wie Schweden (jährlich
250 HIV-Infektionen und etwa 40
Syphilisinfektionen) oder Norwegen
(100 HIV-, 20 Syphilisfälle)
zu beobachten. Dank zusätzlicher
Verbreitungschancen mit den Spritzen
von weltweit 180200 Millionen
Drogensüchtigen dürfte
die HIV-Infektion sogar ein noch
erheblich grösseres Pandemiepotential
aufweisen als die reine Geschlechtskrankheit
Syphilis.
Die Gonorrhoe
weist vielenorts eine 10- bis
100mal höhere Inzidenz auf
als die Syphilis, die Hepatitis
B eine oft sogar noch viel höhere.
In China allein gibt es heute
rund 500600 Millionen HBV-Positive.
Vor diesem Hintergrund muss man
die obige HBV-Prävalenz von
21,1% und die folgenden Angaben
sehen, also noch viel ernstere
Indikatorzahlen in einem Gonorrhoevergleich:
In Nairobi (Kenia) fand man unter
120 STD-Patienten mit H.-ducreyi-Infektion
(lymphogranuloma inguinale, einer
anderen, vorwiegend tropischen
STD) 60% HIV-positiv, aber nur
3757% infiziert mit Gonorrhoe.
Dass so etwas überhaupt möglich
ist, ist ein böses Omen und
wird daher ist die Aidspandemie
sicher noch lange eine Epidemic
of Surprises für viele
zukünftige Überraschungen
sorgen.
Prolongiertes
unklares Fieber bei HIV-positiven
Patienten
Prof.
Dr. med. Serge Kernbaum
Hôpital américain
de Neuilly, Paris; Dozent am
Collège de Médecine
des Hôpitaux de Paris
Als Definition
von prolongiertem unklaren Fieber
gilt folgendes: Jeder Status
febrilis, dessen Ursache in
der klinischen Untersuchung
und in den verschiedenen Labor-
und Röntgenuntersuchungen
nicht gefunden werden kann,
gehört aus unserer Sicht
dazu. Die Beurteilung eines
solchen Fiebers beruht auf der
Anamnese, der ausführlichen
klinischen Untersuchung und
verschiedenen Zusatzuntersuchungen.
Die Mechanismen
der Thermoregulation werden erläutert.
Die Besonderheit
des unklaren Fiebers bei HIV-Patienten
ist das häufige Vorhandensein
von Infektionen mit intrazellulären
Erregern und von Malignomen, welche
früher oder später bei
40% der Betroffenen auftreten,
meist Non-Hodgkin-Lymphome
mit 60mal höherer Inzidenz
als in der Allgemeinbevölkerung.
Schliesslich sind auch Medikamentenunverträglichkeiten
und die Atopie zu erwähnen.
Wenn keine
HIV-Infektion bekannt ist, kann
es sich um einen Primärinfekt
handeln, welcher durchschnittlich
zwei Wochen dauert und in 90%
der Fälle von Fieber begleitet
ist. Ab dem 11. bis 12. Tag kann
die Diagnose mittels Detektion
von viraler RNA im Serum gestellt
werden, ab dem 14. bis 15. Tag
mit der Bestimmung des p24-Antigens
im Serum. Ab dem 21. Tag erscheinen
die ersten Antikörper im
ELISA und ab dem 24. Tag die erste
positive Bande im Western-Blot.
In den publizierten Kollektiven
gibt es grosse Unterschiede, welche
auf den unterschiedlichen Definitionen
des unklaren Fiebers, der unterschiedlichen
geographischen Herkunft der Kranken
und auch auf den Unterschieden
von Erfahrung und Interessen der
Untersucher beruhen.
Verschiedene
Studienkollektive werden vorgestellt.
Die Differentialdiagnose
hängt von der CD4-Zahl ab;
oberhalb von 300 sollte man vor
allem an eine Lungentuberkulose
oder an ein Kaposi-Sarkom denken,
zwischen 200 und 300 an eine extrapulmonale
Tuberkulose oder an ein Lymphom,
unter 100 vor allem an eine Infektion
mit atypischen Mykobakterien oder
anderen opportunistischen Erregern.
Die Auswahl
der ergiebigsten Zusatzuntersuchungen
hängt natürlich von
der Klinik ab; wichtig sind Lymphknotenbiopsien,
aber auch Sputumkulturen auf Mykobakterien
und Knochenmarksbiopsien.
Das Makrophagen-Aktivierungssyndrom
wird erläutert.
Eine probatorische
Behandlung auf Mykobakterien kann
erwogen werden, ebenso eine Unterbrechung
potentiell allergisierender medikamentöser
Behandlungen (z.B. antivirale
oder Cotrimoxazol-Prophylaxe).
Zusammenfassend
kann festgehalten werden, dass
prolongierte unklare Fieberzustände
ins Spektrum der fortgeschrittenen
HIV-Infektion gehören. Zu
den Ursachen gehören vor
allem Infektionen mit Mykobakterien,
weniger häufig mit Pneumocystis
carinii oder Lymphome.
(Übersetzung:
AIDS-Aufklärung Schweiz)
|