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Sind Lesben dem Risiko einer
HIV-Übertragung ausgesetzt?
Obwohl eine HIV-Übertragung
von Frau zu Frau selten vorzukommen
scheint, sind Fälle dieser
Art von Übertragung bekannt.
Das gut dokumentierte Risiko einer
Frau-zu-Mann-HIV-Übertragung
zeigt, dass das HI-Virus in Scheidensekreten
und Menstruationsblut enthalten
sein kann und eine diesbezügliche
(z.B. orale und vaginale) Schleimhaut-Exposition
zu einer HIV-Infektion führen
kann.
Frauen mit weiblichen Sex-Partnerinnen
sollten sich zur Vermeidung der
Gefahr einer HIV-Übertragung
folgendermassen verhalten:
- Vermeiden Sie, dass Schleimhäute,
wie z.B. die Mundschleimhaut
(besonders im Falle eines verletzten
Gewebes), dem Kontakt mit Scheidensekreten
und Menstruationsblut ausgesetzt
werden.
- Benutzen Sie Kondome korrekt
und konsequent, wenn Sie Geschlechtsverkehr
mit Männern haben oder
wenn Sie Sexspielzeug verwenden.
Sexspielzeug sollte nicht gemeinsam
benutzt werden. Keine mechanische
Verhütungsmassnahme wurde
bisher vom FDA als wirksam beurteilt.
Dennoch könnten bei Oralverkehr
Naturlatexfolie, Kofferdamtuch,
ein aufgeschnittenes Kondom
oder Plastikfolie dem Schutz
vor einem Kontakt mit Körperflüssigkeiten
dienen und womöglich das
Risiko einer HIV-Übertragung
verringern.
- Informieren Sie sich über
den eigenen HIV-Status und den
Ihrer Partnerinnen. Dieses Wissen
kann nicht-infizierten Frauen
helfen, zur Verringerung des
Infektionsrisikos ihr Verhalten
dauerhaft zu ändern. Frauen,
denen eine HIV-Infektion diagnostiziert
wird, können dadurch rechtzeitig
in den Genuss einer Behandlung
kommen und verhindern, dass
sie ihrerseits andere anstecken.
Risiko bei Lesben?
Bislang gab es in der US-Datenbank
keine nachgewiesenen Fälle
einer HIV-Übertragung von
Frau zu Frau. (K. McDavid, CDC,
mündliche Mitteilung, März
2005). Dennoch lassen Fallberichte
einer HIV-Übertragung von
Frau zu Frau und das gut dokumentierte
Risiko einer Übertragung
von Frau zu Mann [1] darauf schliessen,
dass Scheidensekret und Menstruationsblut
potentiell ansteckend sind und
dass ein Schleimhautkontakt (z.B.
der Mund- oder Vaginalschleimhaut)
mit diesen Sekreten zu einer HIV-Infektion
führen kann.
Statistische Erhebungen
Die folgenden Informationen
stammen aus unveröffentlichten
Daten der CDC
- Im Dezember 2004 wurden in
den USA insgesamt 246 461 Frauen
als HIV-infiziert erfasst. Davon
hatten 7381 nach eigenen Angaben
Sex mit Frauen. Die meisten
darunter wiesen jedoch noch
weitere Risikofaktoren auf (z.B.
intravenöser Drogenkonsum,
Sex mit Männern, die HIV-infiziert
sind oder einer HIV-Risikogruppe
angehören, oder, in selteneren
Fällen, Erhalt von Bluttransfusionen
oder Blutprodukten).
- Von den 534 (der insgesamt
7381) Frauen, die ausschliesslich
Sex mit Frauen hatten, wiesen
91 % einen weiteren Risikofaktor
auf, in der Regel intravenöser
Drogenkonsum.
- HIV-infizierte Frauen, deren
einziger Risikofaktor der Sex
mit Frauen war, wurden vordringlich
weiterer Untersuchungen unterzogen.
Bis Dezember 2004 konnte bei
keiner dieser zusätzlichen
Untersuchungen eine HIV-Übertragung
von Frau zu Frau nachgewiesen
werden, entweder weil zu einem
späteren Zeitpunkt zusätzliche
Risikofaktoren zutage traten
oder weil einige Frauen eine
Befragung verweigerten.
- Aus der Untersuchung von
über einer Million weiblicher
Blutspender-Probanden ergab
sich, dass keine HIV-infizierte
Frau darunter war, deren ausschliesslicher
Risikofaktor darin bestand,
Sex mit Frauen zu haben. Obwohl
es demnach keine nachgewiesenen
Fälle einer HIV-Übertragung
von Frau zu Frau gibt, widerlegen
die Ergebnisse nicht die Möglichkeit
einer solchen. In mehr als 60
% der 246 461 Fälle HIV-infizierter
Frauen fehlt in der Krankheitsgeschichte
die Information, ob die betroffenen
Frauen Sex mit anderen Frauen
hatten – vermutlich weil
der Arzt nicht danach fragte
oder die Frauen diese Information
nicht von sich aus lieferten.
Risikofaktoren und Präventionshindernisse
Innerhalb der Gruppe von Frauen,
die Sex mit Frauen haben (FSF),
wurden Erhebungen über verhaltensbedingte
Risikofaktoren durchgeführt.
Diese Erhebungen wurden meist
an FSF-Stichproben durchgeführt,
die in bezug auf Teilnahmekriterien,
Standorte und Definition von FSF
sehr uneinheitlich waren. Deshalb
können die Ergebnisse dieser
Befragungen nicht auf alle FSF
verallgemeinert werden. Sie lassen
dennoch den Schluss zu, dass einige
FSF weitere verhaltensbedingte
Risikofaktoren aufweisen, wie
z.B. intravenöser Drogenkonsum
und ungeschützten Vaginalsex
mit Männern, die Sex mit
Männern (MSM) oder mit Fixern
haben.
Prävention
Trotz der nicht eindeutig nachgewiesenen
HIV-Übertragung von Frau
zu Frau sollte Sex mit weiblichen
Partnern als Übertragungsmöglichkeit
unter FSF in Betracht gezogen
werden. Diese Frauen sollten darüber
Bescheid wissen,
- ob sie oder ihre Partnerinnen
HIV-infiziert sind. Dieses Wissen
kann nicht infizierte Frauen
dazu veranlassen, ihre Verhaltensweisen
zu ändern und damit ihr
Infektionsrisiko zu verringern.
Bereits infizierten Frauen kann
diese Kenntnis zu einer frühzeitigen
Behandlung verhelfen und dazu
beitragen, dass die Ansteckung
weiterer Personen vermieden
wird.
- dass ein Schleimhautkontakt
ein Übertragungsrisiko
darstellt. Ein Schleimhautkontakt
(z.B. im Mund) mit Scheidensekret
und Menstruationsblut kann potentiell
zu einer HIV-Infektion führen,
besonders bei kleinen Verletzungen.
Das potentielle Übertragungsrisiko
ist im frühen Stadium einer
HIV-Infektion sowie im Endstadium
grösser, weil dann die
Virenkonzentration im Blut erwartungsgemäss
am höchsten ist.
- welche Vorteile die Verwendung
von Kondomen hat. Kondome sollten
bei jedem Geschlechtsverkehr
mit Männern bzw. bei Einsatz
von Sexspielzeugen regelmässig
und korrekt gebraucht werden.
Sexspielzeug sollte nicht gemeinsam
benutzt werden. Keines der beim
Oralverkehr eingesetzten Schutzmittel
wurde von der amerikanischen
Food and Drug-Behörde als
nachweislich wirkungsvoll eingestuft.
Dennoch könnten bei Oralsex
Latex-Folien, Kofferdamtuch
(sogenannte Dental Dams) oder
aufgeschnittene Kondome, aber
auch Frischhaltefolien vor dem
Kontakt mit Körperflüssigkeiten
schützen und damit die
Gefahr einer HIV-Übertragung
mindern.
Im Gesundheitswesen Tätige
sollten sich darüber im Klaren
sein, dass sexuelle Identität
nicht automatisch das Verhalten
bestimmt und dass auch Frauen,
die sich selbst als FSF oder Lesben
definieren, der Gefahr einer HIV-Infektion
durch ungeschützten Sex mit
Männern ausgesetzt sein können.
Literatur
CDC. HIV und AIDS: Sind Sie
in Gefahr?
Stand: 17.
Oktober 2006
|
CDC
Centers
for Disease Control
and Prevention
Übertragung
Kapitel
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