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Methamphetamin (Speed, Crystal)

Methamphetamin ist ein Aufputschmittel, das seit Jahrzehnten im Umlauf ist. Seine Popularität schwankte im Lauf der Jahre, aber in vielen Teilen der Vereinigten Staaten und in diversen Bevölkerungsgruppen scheint der Konsum im Steigen begriffen. Methamphetamin hat ein hohes Abhängigkeitspotential, es kann gespritzt werden und die sexuelle Erregung steigern sowie gleichzeitig die Hemmschwelle senken. Aufgrund dieser Eigenschaften befürchten die Gesundheitsbehörden, dass sich die Konsumenten dieser Droge möglicherweise einem erhöhten HIV-Infektions- bzw. -Übertragungsrisiko aussetzen – eine berechtigte Besorgnis angesichts der Tatsache, dass Methamphetamin-Konsum mit der Zunahme von HIV-Infektionen innerhalb bestimmter Bevölkerungsgruppen in Zusammenhang gebracht wurde.[1]

Aus der immer umfangreicher werdenden Forschungsliteratur über Methamphetamin-Konsum unter Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), geht hervor, dass bei MSM mit Methamphetamin-Konsum die sexuellen Risikofaktoren tendenziell steigen (so tendieren sie z.B. dazu, seltener Kondome zu benutzen, mehr Sexualpartner zu haben und sich auf Praktiken einzulassen, die das Risiko einer HIV-Infektion erhöhen, wie etwa ungeschützter aufnehmender Analsex), dass aber auch solche Verhaltensweisen beim Drogenkonsum zunehmen, die eine erhöhte HIV-Infektionsgefahr bergen (z.B. sich Methamphetamin zu spritzen anstatt es zu rauchen oder zu schnupfen).[1]

MSM ist nicht die einzige Bevölkerungsgruppe mit Risikofaktoren, die mit Methamphetamin-Konsum zusammenhängen. Auch heterosexuelle Erwachsene und Heranwachsende neigen nachweislich unter Methamphetamin-Einfluss zu Sexualpraktiken, die die Gefahr einer HIV-Infektion oder die einer sexuell übertragbaren Krankheit (STD) erhöhen.[2] Dennoch ist unter MSM die Prävalenz von Infektionen (wie HIV) und Risikoverhalten (wie die Anzahl von Sexualpartnern und Analsex) tendenziell höher, was zu einem grösseren Übertragungsrisiko führt. Methamphetamin-Konsumenten können dazu tendieren, Sex gegen Geld oder Drogen anzubieten und dadurch ein zusätzliches Risiko einer HIV-Infektion bzw. -Übertragung einzugehen.[2]

Daraus geht eindeutig hervor, dass der Methamphetamin-Konsum zu sexuellem Risikoverhalten führen kann, ganz unabhängig von den sexuellen Vorlieben der Konsumenten. Die gegenwärtig vorhandenen Daten zeigen eine enge Verbindung zwischen Methamphetamin-Konsum und sexuellem Risikoverhalten unter MSM auf, und möglicherweise auch unter heterosexuellen Erwachsenen und Jugendlichen.

Im Folgenden einige Informationen über Methamphetamin, dessen Verbreitung und Wirkung auf den Körper und zuletzt Untersuchungsergebnisse darüber, welche Rolle Methamphetamin bei Verhaltensweisen spielt, die Menschen der Gefahr einer HIV-Infektion oder HIV-Übertragung aussetzen.

Definition von Methamphetaminen

Methamphetamin ist ein Stimulans des zentralen Nervensystems, das von der U.S. Food and Drug Administration als ein Klasse-II-Amphetamin eingestuft wurde, was bedeutet, dass es ein hohes Potential aufweist, zu psychischer bzw. physischer Abhängigkeit zu führen. Für Methamphetamin gibt es zahlreiche Szenebezeichnungen, die z. T. regional- oder gruppenspezifisch sind. Die verbreitetsten Namen sind Meth, Crystal Meth, Tina, Ice und Glass. Methamphetamin wird geraucht, gespritzt, geschnupft, geschluckt oder in den Anus eingeführt.[3]

Wie Methamphetamin hergestellt wird

Methamphetamin kann mittels relativ einfacher chemischer Verfahren hergestellt werden. Man braucht dazu nur ein geläufiges Abschwellmittel der Schleimhäute – Ephedrin oder Pseudoephedrin – zusammen mit anderen Substanzen wie Jodkristallen, Schwefelsäure, rotem Phosphor und wasserfreiem Ammoniak. Es kann in flüssiger Form oder als Pulver hergestellt werden, aber auch als wachsartiger Masse („Glass“) oder durchsichtiger Brocken („Ice“).

Methamphetamin-Konsum in den Vereinigten Staaten

Gemäss der US-Behörde SAMHSA (Substance Abuse and Mental Health Services Administration) hatten im Jahr 2004

  • Zirka 12 Millionen Personen ab 12 Jahren (4,9% aller US-Bürger ab 12 Jahren) mindestens einmal in ihrem Leben Methamphetamin konsumiert;
  • 1,4 Millionen Personen ab 12 Jahren (0,6% der US-Bevölkerung) im Laufe des vorangegangenen Jahres Methamphetamin konsumiert;
  • 600 000 (0,2% der US-Bevölkerung) im Laufe des vorangegangenen Monats Methamphetamin konsumiert.[4]

Nach Schätzungen der SAMHSA stieg die Zahl der Überweisungen zur Behandlung von Methamphetamin- oder Amphetamin-Missbrauch im Zeitraum von 1993 bis Ende 2003 von 13 auf 56 pro 100 000 Einwohner im Alter von mindestens 12 Jahren.[5]

Untersuchungsergebnisse zeigen eine höhere Prävalenz von Methamphetamin-Konsum unter MSM als unter der Allgemeinbevölkerung. Aus einer im Zeitraum von 1994 bis 1998 durchgeführten Studie mit 15–22jährigen männlichen Probanden, die in der Stadt leben und Sex mit Männern haben, geht hervor, dass 20% davon im Laufe der vorangegangenen sechs Monate Methamphetamin konsumiert hatten.[6] Aus einer 2001 durchgeführten Untersuchung ergibt sich, dass 15% der in San Francisco lebenden MSM-Population während ihres letzten, nicht länger als drei Monate zurückliegenden Analverkehrs Methamphetamin eingenommen hatten – womit Methamphetamin nach Alkohol und Marihuana an dritter Stelle im Drogenkonsum rangiert.[7]

Das Anwachsen des Methamphetamin-Konsums in den USA (seit den frühen 90er Jahren) betraf zunächst zwar hauptsächlich die westlichen Bundesstaaten, wird aber seit Mitte dieses Jahrzehnts landesweit mit Besorgnis zur Kenntnis genommen. Aus den Zahlen der Datenbank (National Clandestine Laboratory Database), die beschlagnahmte illegale Labors erfasst, lässt sich für den Zeitraum von 2000 bis Ende 2005 eine Zunahme der Beschlagnahmungen illegaler Labors in fast jedem Bundesstaat nachweisen.[8] 2004 war der Methamphetamin-Konsum in den westlichen Bundesstaaten besonders hoch: 12 Staaten, darunter Kalifornien, Nevada, Wyoming und Montana rangierten im obersten Drittel der US-Staaten mit dem höchsten Methamphetamin-Konsum im Jahr zuvor.[4]

Die Beschlagnahmung illegaler Labors und Einschränkungen bei der Beschaffung bestimmter Substanzen haben dazu geführt, dass in den Vereinigten Staaten die Herstellung von Methamphetamin zurückgegangen ist.

Wirkungen des Methamphetamin-Konsums

Als Stimulans des zentralen Nervensystems wirkt Methamphetamin direkt auf das Hirn und das Rückenmark ein, da es mit der normalen Ausschüttung und Aufnahme von Neurotransmittern (Botenstoffen, die Nerven- und Hirnzellen produzieren, um miteinander zu kommunizieren) interferiert. Der wichtigste durch Methamphetamin beeinflusste Botenstoff ist Dopamin, aber auch Norepinephrin und Epinephrin werden in Mitleidenschaft gezogen.

Methamphetamin-Konsum verursacht die Ausschüttung einer grossen Anzahl von Neurotransmittern. Diese Botenstoffe wiederum bewirken eine Erhöhung der Herzfrequenz und des Blutdrucks und erzeugen ein Gefühl von Wohlbefinden, gesteigertem Selbstwert, Energie und Wachheit. Sie wirken überdies als Appetithemmer und steigern die sexuelle Erregung. Methamphetamin-Konsumenten berichten über Schlaflosigkeit, gesteigerten Rededrang, Zähneknirschen, erhöhte Körpertemperatur und Zwangsverhalten wie Dermatillomanie (zwanghaftes Hautkratzen).

Ein längerer Konsum kann sowohl zu physischen Symptomen führen (Zahnausfall, Gewichtsverlust, Hautläsionen, Schlaganfall und Herzinfarkt) als auch zu psychischen Symptomen (Verfolgungswahn, Halluzinationen, Angst- und Erregungszustände) und Verhaltensstörungen (aggressives, gewalttätiges Verhalten oder Rückzug).

Ein längerer Methamphetamin-Konsum kann zur Verringerung des Dopamin-Spiegels oder des Niveaus anderer Neurotransmitter des Nervensystems führen und das Verlangen nach Methamphetamin krankhaft steigern, um den Dopamin-Spiegel wieder zu erhöhen. Da ein exzessiver Methamphetamin-Konsum den Neurotransmitter-Vorrat aufbraucht, wird die Entzugserscheinung oft als Zusammenbruch beschrieben, der mit einer depressiven Phase einhergeht. Zur Linderung dieser unangenehmen Gefühle wird häufig die Methamphetamin-Dosis erhöht. Dieser Teufelskreis kann zur Sucht führen, von der man sich oft nur schwer befreien kann.

Da Methamphetamin-Konsum bei gleichzeitiger Steigerung der Libido zu Impotenz führen kann, besteht die Gefahr, dass homosexuelle Männer Medikamente gegen Erektionsstörungen einnehmen und sich dann unter dem Einfluss dieser Mittel auf ungeschützten aufnehmenden oder eindringenden Analverkehr einlassen.[7]

Methamphetamin im Vergleich mit Amphetaminen oder Kokain

Die Veränderungen in spezifischen Teilen des Gehirns von Methamphetamin-Konsumenten gleichen zwar denen von Drogenabhängigen, die Kokain oder andere Suchtstoffe zu sich nehmen, aber dennoch unterscheiden sich Methamphetamin, Amphetamine und Kokain in gewisser Hinsicht.

Im Vergleich zu Amphetaminen und Kokain wirkt Methamphetamin länger und stärker. Es bewirkt eine dreimal so grosse Dopamin-Aussschüttung im Gehirn wie Kokain und hat eine Halbwertszeit (die Zeit, in der die von der Droge benötigte Metabolisierungszeit auf die Hälfte abgesunken ist) von 12 Stunden, während die Halbwertszeit von Kokain eine Stunde beträgt. Wenn Methamphetamin geraucht wird, kann der euphorisierende Zustand 8–24 Stunden andauern; die Wirkung von gerauchtem Kokain hält hingegen nur 20–30 Minuten an.[9] Da es viel länger wirkt und billiger ist als Kokain, ist Methamphetamin für viele Bevölkerungsgruppen, darunter auch Jugendliche, eine attraktive Droge. Diese bezeichnen es mitunter als „ Arme-Leute-Kokain.“

Die Methamphetamin-Konsumenten

Es gibt keine typischen Methamphetamin-Konsumenten. Landesweit nehmen Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Rassen aus unterschiedlichen Gründen diese Droge zu sich. In den Vereinigten Staaten lassen sich jedoch zumindest einige Trends erkennen:

  • Alter: Viele Methamphetamin-Konsumenten sind jung. Da es billiger ist als Kokain und länger wirkt, erfreut sich Methamphetamin bei Teenagern und Teens Anfang Zwanzig zunehmender Beliebtheit.[10, 11] 2002 betrug das Durchschnittsalter der Erstkonsumenten 18,9 Jahre, 2003 20,4 Jahre und 2004 22,1 Jahre.[4] Den höchsten Methamphetamin-Konsum verzeichnete im vergangenen Jahr die Personengruppe der jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 Jahren, gefolgt von Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren, an dritter Stelle Erwachsene ab 26 Jahren.[4]
  • Geschlecht: Unter allen Methamphetamin-Konsumenten ab 12 Jahren befanden sich im vergangenen Jahr ungefähr genauso viel Männer wie Frauen (jeweils 0,7% bzw. 0,5 %).[4]
  • Ethnische Zugehörigkeit: Die meisten Methamphetamin-Konsumenten sind weisser Hautfarbe. Den höchsten Methamphetamin-Konsum im vergangenen Jahr verzeichneten jedoch die nativen Hawaiianer und andere Inselbewohner des Pazifiks (2,2%), Indianer oder Ureinwohner Alaskas (1,7 %) und Menschen mit mindestens zweifacher Rassenzugehörigkeit (1,9 %). Im vergangenen Jahr war der Konsum unter Menschen mit weisser Hautfarbe (0,7 %) und Hispano-Amerikanern (0,5%) höher als unter Schwarzen (inkl. Afroamerikaner – 0,2 %).[4]
  • MSM: Eine Studie des CDC National HIV Behavioral Surveillance System aus dem Jahr 2004 ergab in bezug auf den MSM-Personenkreis, dass sich unter den Methamphetamin-Konsumenten landesweit ein höherer Prozentsatz mit weisser Hautfarbe befand als unter den Nicht-Konsumenten (jeweils 50,4 % vs. 43,5 %).[10]
  • Konsumenten unter der Landbevölkerung: Viele Methamphetamin-Konsumenten in ländlichen Gebieten sind weisse, heterosexuelle junge Erwachsene aus der Arbeiterschicht.[12] Der Trend in ländlichen Gebieten geht dahin, dass immer mehr Latinos, Indianer und Jugendliche Methamphetamin konsumieren. Im Vergleich zu Stadtbewohnern sind die Methamphetamin-Konsumenten auf dem Land eher heterosexuell.[12]

Gründe für den Methamphetamin-Konsum

Die Gründe für den Methamphetamin-Konsum sind unterschiedlicher Art.

  • Männer wie Frauen gaben folgende Gründe für ihren Methamphetamin-Konsum an: Energie- und Leistungssteigerung, günstiger Preis, selbst verordnete Therapie gegen Depression und Konzentrationsstörungen, euphorischer Rausch.[13,14]
  • Männliche Befragte gaben ökonomische Gründe an (Drogenhandel, Ausübung mehrerer Jobs dank gesteigerter Leistungsfähigkeit) und sexuelle Motive (grösseres Lustempfinden und längere Dauer des Erregungszustands).[11, 14]
  • Methamphetamin-konsumierende HIV-positive MSM nannten einer Untersuchung zufolge als hauptsächlichen Grund für ihren Konsum dieser Droge die Steigerung des sexuellen Lustempfindens (fast 90% der Befragten).[13] Zu den weiteren Gründen zählte die selbst verordnete Therapie einer durch den HIV-positiven Serostatus hervorgerufenen Niedergeschlagenheit. Eine ähnliche, an HIV-negativen heterosexuellen Erwachsenen durchgeführte Studie ergab, dass Methamphetamin vorwiegend als Partydroge eingenommen wird, um sich zu berauschen und energiegeladener zu sein.[14]
  • Weibliche Befragte gaben an, Methamphetamin zur Gewichtskontrolle und gegen Erschöpfungszustände zu konsumieren.[12]
  • Der Methamphetamin-Konsum schafft Menschen, die sich als Outsider fühlen, ein soziales Netzwerk – sie fühlen sich einer Gemeinschaft zugehörig.[12]

Methamphetamin-Konsum und HIV-Risikoverhalten

Der gegenwärtige, auf einer wachsenden Zahl von Untersuchungen basierende Forschungsstand legt einen Zusammenhang zwischen Methamphetamin-Konsum bei MSM und heterosexuellen Bevölkerungsgruppen und grösserem Risikoverhalten nahe (bei Sexualverkehr und intravenösem Drogenkonsum), wodurch sich die Betroffenen der Gefahr einer HIV-Infektion aussetzen.

  • Eine Mitte der neunziger Jahre in Kalifornien durchgeführte Befragung unter nicht injizierenden Drogenkonsumenten ergab, dass diejenigen Heterosexuellen und MSM, die laut eigener Angabe Methamphetamin zu sich nahmen, auch häufig wechselnde Sexualpartner hatten, mit geringerer Wahrscheinlichkeit Kondome benutzten, aber mit grösserer Wahrscheinlichkeit dazu bereit waren, Sex gegen Geld oder Drogen anzubieten, Geschlechtsverkehr mit einem intravenösen Drogenabhängigen zu haben, oder dass sie einen STD-Hintergrund hatten – alles Risikofaktoren für eine HIV-Übertragung.[2]
  • Aus einer im Zeitraum von 1997–2001 durchgeführten qualitativen Studie über homo- und bisexuelle Männer in Seattle (Washington) und San José (Kalifornien) geht hervor, dass Partydrogen (Methamphetamin, Ecstasy, Ketamin und GHB [Gamma-Hydroxy-Buttersäure]) häufig einhergehen mit risikoreichem Sexualverhalten. Zahlreiche Befragte berichteten, dass sie bereits eine HIV-Infektion oder Aids hatten und dass sie mit dem Drogenkonsum ihre Symptome „behandelten“. Die Befragten gaben an, sich sowohl auf ungeschützten Sex als auch auf Sex gegen Drogen einzulassen.[15]
  • 2001 wurde an homo- und bisexuellen Männern im Gebiet um die Bucht von San Francisco eine Untersuchung durchgeführt. Die Methamphetamin-Konsumenten unter den Männern, die zur MSM-Gruppe gehörten und an Circuit-Partywochenenden teilnahmen, zeigten während des Wochenendes eine mehr als doppelt so grosse Bereitschaft zu ungeschütztem Analsex mit einem Partner, dessen HIV-Status unbekannt oder anders als der eigene war.[16]
  • Nach einer Untersuchung aus dem Jahr 1998, die an mit öffentlichen Geldern finanzierten, HIV-Test anbietenden Einrichtungen in Kalifornien durchgeführt wurde, neigen HIV-positive MSM mehr als HIV-negative MSM zum Methamphetamin-Konsum, und MSM-Methamphetamin-Konsumenten wiederum tendieren mehr als andere Konsumenten dieser Droge dazu, sie während des Geschlechtsverkehrs einzunehmen.[2]
  • Einer Analyse des California Department of Health Services zufolge, das im Zeitraum von 2001–2003 eine Erhebung unter heterosexuellen Männern durchgeführt hat, geht ein kurz vor dem Geschlechtsverkehr erfolgter Methamphetamin-Konsum einher mit risikoreichem Sexualverhalten, einschliesslich Analverkehr, Sex mit einem Fixer und Sex mit einer weiblichen Zufallsbekanntschaft.[17]
  • 9,5 % der 2004 in Kalifornien registrierten Fälle primärer oder sekundärer Syphilis bei heterosexuellen Männern betraf Männer mit einem Methamphetamin-Konsumhintergrund, wobei der steigende Trend von Syphilis-Erkrankungen anhielt (3,1 % im Jahr 2001, 6,4 % im Jahr 2002 und 7,3% im Jahr 2003).[18] Syphilis ist ein Hinweis für ungeschützten Geschlechtsverkehr, ein Risikofaktor für eine HIV-Infektion.
  • Als 2004 in sechs Bezirken Kaliforniens die Gonorrhoe-Erkrankungen schlagartig zunahmen, gab ein relativ hoher Prozentsatz der männlichen (38 %) und weiblichen Heterosexuellen (28 %) an, Methamphetamin zu konsumieren, während es unter den MSM nur 8 % waren.[17] Wie Syphilis ist auch Gonorrhoe ein Hinweis für ungeschützten Geschlechtsverkehr, ein Risikofaktor für eine HIV-Infektion.
  • Es besteht ein fundierter Anlass zur Vermutung, dass ein (nicht gespritzter) Methamphetamin-Konsum bei heterosexuellen Männern und Frauen einhergeht mit ungeschütztem Vaginalverkehr und mit häufig wechselnden Sexualpartnern während der zurückliegenden 12 Monate.[2]

Wenn die Droge gespritzt wird, erhöht der Methamphetamin-Konsum zusätzlich zur Steigerung der sexuellen Risikofaktoren auch die Gefahr einer HIV-Übertragung. Frauen berichteten zum Beispiel, dass ihre Sexualpartner ihnen die Droge injizierten, und zwar häufig mit einer mehrfach genutzten Spritze.[18] Einer in Colorado durchgeführten Untersuchung zufolge benutzten während einer Methamphetamin-Orgie Personen, die sich Methamphetamin spritzten, häufiger dieselben Nadeln.[18]

Wie Methamphetamin-Konsum Denken und Verhalten negativ beeinflusst

  • Methamphetamin-Konsum kann die Fähigkeit wie auch das Bedürfnis, sich sicher zu verhalten, beeinträchtigen, sowohl während des Sexualverkehrs als auch beim Drogenspritzen. Diese Beeinträchtigung wiederum kann zu Experimenten mit allgemein risikoreicheren Verhaltensweisen führen.
  • Methamphetamin kann die Schleimhäute austrocknen, was zu mehr Verletzungen und Schürfwunden führen kann, die ihrerseits wiederum während des Sexualverkehrs eine Eintrittspforte für HIV darstellen könnten.
  • Methamphetamin-Konsum geht einher mit Sexualpraktiken, die die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung von HIV oder anderer STD erhöhen können (z.B. lange Dauer, die zu Schürfwunden führen kann; häufig wechselnde Partner; Hemmungslosigkeit; Tendenz, kein Kondom zu benutzen).
  • Methamphetamin-Konsum kann zu geistiger Verwirrung führen und die Bereitschaft bzw. Fähigkeit beeinträchtigen, Medikamente einzunehmen, die wegen einer HIV-Infektion oder anderer Erkrankungen verschrieben wurden.

Folgerungen für das öffentliche Gesundheitswesen

Methamphetamin-Konsum ist eine Angelegenheit des öffentlichen Gesundheitswesens. Dem Problem des Methamphetamin-Konsums und des damit verbundenen Infektionsrisikos mit HIV oder anderen STD sollte auf möglichst breiter Ebene begegnet werden – unter Einschluss sowohl heterosexueller Erwachsener und Jugendlicher als auch MSM. HIV- und STD- Präventions- und Behandlungsprogramme sollten den Methamphetamin-Konsum mit einbeziehen und auch Behandlung von Methamphetamin-Abhängigkeit, Früherkennungstests und Aufklärung über Sexualverhalten beinhalten.

Weiterführende Literatur

  1. Buchacz K, McFarland W, Kellogg TA, et al. Amphetamine use is associated with increased HIV incidence among men who have sex with men in San Francisco [Research Letters]. AIDS 2005;19:1423–1424.
  2. Molitor F, Truax SR, Ruiz JD, Sun RK. Association of methamphetamine use during sex with risky sexual behaviors and HIV infection among non-injection drug users. Western Journal of Medicine 1998;168:93–97.
  3. Substance Abuse and Mental Health Services Administration, Office of Applied Studies. Methamphetamine/amphetamine and other stimulants. In: Treatment Episode Data Set (TEDS), 1992–2002: National Admissions to Substance Abuse Treatment Services. Rockville, Md: Substance Abuse and Mental Health Services Administration; 2004:40. DASIS Series S-23, DHHS Publication No. (SMA) 04-3965. Auch verfügbar unter http://wwwdasis.samhsa.gov/teds02/2002_ teds_rpt.pdf [Stand: 11. Dezember 2006].
  4. Substance Abuse and Mental Health Services Administration, Office of Applied Studies. The NSDUH report: methamphetamine use, abuse, and dependence: 2002, 2003, and 2004. September 16, 2005. Auch verfügbar unter http://oas.samhsa.gov/2k5/meth/meth.pdf [Stand: 11. Dezember 2006].
  5. Substance Abuse and Mental Health Services Administration, Office of Applied Studies. The DASIS report: trends in methamphetamine/amphetamine admissions to treatment, 1993–2003. 2006. Verfügbar unter http://oas.samhsa.gov/2k6/methTx/methTX.cfm [Stand: 11. Dezember 2006].
  6. Thiede H, Valleroy LA, MacKellar DA, et al. Regional patterns and correlates of substance use among young men who have sex with men in 7 US urban areas. American Journal of Public Health 2003;93:1915–1921.
  7. Mansergh G, Shouse RL, Marks G, et al. Methamphetamine and sildenafil (Viagra) use are linked to unprotected receptive and insertive anal sex, respectively, in a sample of men who have sex with men. Sexually Transmitted Infections 2006;82:131–134.
  8. U.S. Drug Enforcement Administration. Maps of methamphetamine laboratory incidents: calendar years 1999–2005. Verfügbar unter http://www.usdoj.gov/dea/ concern/map_lab_seizures.html, [Stand: 11. Dezember 2006].
  9. National Institutes of Health, National Institute on Drug Abuse. Methamphetamine: Abuse and Addiction. Rockville, Md: National Institute on Drug Abuse; September 2006 (rev). Research Report Series, NIH Publication Nr. 06-4210. Auch verfügbar unter http://www. nida.nih.gov/PDF/RRMetham.pdf [Stand: 11. Dezember 2006].
  10. Mansergh G, Purcell DW, Stall R, et al. CDC consultation on methamphetamine use and sexual risk behavior for HIV/STD infection: summary and suggestions. Public Health Reports 2006;121:127–132.
  11. KCI, the Anti-Meth Site. Methamphetamine frequently asked questions. Verfügbar unter http://www.kci.org/meth_info/faq_meth.htm [Stand: 11. Dezember 2006].
  12. Rural Center for AIDS/STD Prevention. Rural methamphetamine use and HIV/STD risk. 2006. Fact sheet No. 18. Verfügbar unter http://www.indiana.edu/~aids/ factsheets18.pdf [Stand: 11. Dezember 2006].
  13. Semple SJ, Patterson TL, Grant I. Motivations associated with methamphetamine use among HIV+ men who have sex with men. Journal of Substance Abuse Treatment 2002;22:149–156.
  14. Semple, SJ, Patterson TL, Grant I. The context of sexual risk behavior among heterosexual methamphetamine users. Addictive Behaviors 2004;29:807–810.
  15. Gorman EM, Nelson KR, Applegate T, et al. Club drug and poly-substance abuse and HIV among gay/bisexual men: lessons gleaned from a community study. Journal of Gay & Lesbian Social Services 2004;16:1–17.
  16. Colfax GN, Mansergh G, Guzman R, et al. Drug use and sexual risk behavior among gay and bisexual men who attend circuit parties: a venue-based comparison. Journal of Acquired Immune Deficiency Syndromes 2001;28:373–379.
  17. CDC. Methamphetamine use and HIV risk behaviors among heterosexual men—preliminary results from five northern California counties, December 2002– November 2003. MMWR 2006;55:273–277.
  18. Dreisbach SL, Hickler B, Koester S. Methamphetamine use in rural Colorado: health risks and community challenges. Association of Preventive Medicine; 2004.

Stand: 3. Mai 2007

Zahlen in Klammern

verweisen auf die Literaturliste

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