Der HIV-Test
- Warum es besser ist, sich testen zu lassen
- Wann sollte getestet werden
- Therapie
- Über den Test
- Im Interesse aller
Warum es besser ist, sich testen zu lassen
Wenn jemand ein HIV-Ansteckungsrisiko aufweist, ist Testen der einzige Weg, um herauszufinden, ob man sich infiziert hat oder nicht. Der Test sollte mit einer ausführlichen ärztlichen Beratung gekoppelt sein.Die HIV-Infektion hat sich innerhalb von wenigen Jahren zu einer Pandemie (weltweiten Epidemie) entwickelt. Sie breitet sich auch bei uns weiter aus und betrifft längst nicht mehr nur die Risikogruppen. Es ist deshalb für jeden Menschen wichtig zu wissen, ob er infiziert ist oder nicht, denn so kann er beitragen, die weitere Verbreitung dieser tödlichen Krankheit zu verhindern.
Trügerische Ruhe
Wer sich angesteckt hat, merkt (mit Ausnahme einer manchmal auftretenden grippeartigen Erkrankung innerhalb der ersten Wochen) in der Regel über Jahre hinweg nichts von der HIV-Infektion - eine trügerische Ruhe. In dieser symptomfreien Zeit, die im Durchschnitt zehn bis zwölf Jahre dauert, ist der Infizierte bereits ansteckend. Ob man sich infiziert hat oder nicht, lässt sich nur herausfinden, wenn man einen HIV-Test macht. Wer sich testen lässt, handelt sich und anderen gegenüber verantwortungsbewusst.
Der Test ist in jedem Fall sinnvoll
Nehmen wir einmal an, der oder die Betreffende ist gar nicht infiziert, also HIV-negativ. Das negative Testresultat zeigt das Fehlen der Infektion mit sehr hoher Sicherheit an - vorausgesetzt, die empfohlene Wartezeit bis zum Test wurde eingehalten (s.u.). Eine vorher bestandene Ungewissheit und unnötige Ängste sind damit behoben. Verbunden mit einer kompetenten Beratung kann daraus ein verantwortungsvolles Verhalten (mit Vermeidung von Risikosituationen) für die Zukunft erwachsen.
Nehmen wir den Fall an, jemand sei doch infiziert, also HIV-positiv. In der Regel wird diese Person zum einen alles daran setzen, die Krankheit nicht weiterzuverbreiten. Niemand möchte seinen Partner, den er am meisten liebt, anstecken oder ein HIV-positives Kind zur Welt bringen. Zum anderen kann nur derjenige von einer frühzeitigen Therapie (welche das Endstadium Aids hinauszögert) profitieren, der weiss, dass er HIV-positiv ist. Bei vielen Komplikationen von Aids kommt es auf eine frühzeitige Erkennung an. Dadurch können sie rechtzeitig behandelt und kann viel Leid verhindert werden. Wer sich als HIV-Positiver rechtzeitig in kundige ärztliche Betreuung begibt, kann länger und besser leben als jemand, der abwartet, bis Aids ausbricht.
Wir empfehlen, den Test bei einem Arzt Ihres Vertrauens durchführen zu lassen, damit eine ausführliche Beratung angeschlossen werden kann.
Unverzüglich und richtig behandeln
Beim HIV-Positiven trägt die Infektion mit anderen Krankheiten dazu bei, die Zahl der Viren zu vermehren und dadurch das Immunsystem weiter zu schwächen. An sich harmlose Krankheiten, z.B. eine Gürtelrose, können sehr schwer verlaufen. Viele Krankheiten, z.B. Durchfall, müssen deshalb im Anfangsstadium behandelt werden.
Ein Arzt sollte unbedingt wissen, ob sein Patient HIV-positiv ist oder nicht. Nur so kann er eine korrekte Diagnose stellen und eine entsprechend wirksame Therapie einleiten. Zum Beispiel muss man bei der häufigsten Lungenentzündung eines HIV-Infizierten, der Pneumocystis-carinii-Pneumonie (PCP), ganz andere Medikamente anwenden als bei einer “normalen” Lungenentzündung. Als man die PCP noch wie eine gewöhnliche Lungenentzündung behandelte, starb fast die Hälfte der Erkrankten; inzwischen sterben bei frühzeitiger Diagnose und gezielter Therapie weniger als fünf Prozent dieser Patienten.
Auch eine bei Aids-Kranken häufig vorkommende Viruserkrankung der Augen (CMV-Retinitis) kann bei bekannter HIV-Positivität frühzeitig diagnostiziert und behandelt werden; damit wird eine Erblindung verhindert.
Keine Zeit verlieren
Wer die Entscheidung zum HIV-Test immer weiter vor sich herschiebt, verliert im Falle der Infektion wertvolle Zeit für die Behandlung.
Es gibt noch weitere Gründe für den Test: Bei bestimmten Impfungen, z.B. vor einer Reise, muss der Arzt bei bestehender HIV-Infektion anders verfahren, um den Patienten nicht zusätzlich zu schädigen. Das gleiche gilt bei grossen Operationen, die bekanntlich eine ausserordentliche Belastung des Immunsystems darstellen. Im Interesse des Patienten muss die Art der Operation gründlich durchdacht werden.
Ärztliche Ratschläge
Nur eine HIV-infizierte Person, die von ihrer Infektion weiss, kann ihre Gesundheit mit gezielten Vorkehrungen schützen. Wer weiss schon, dass Vögel im Haus durch ihren Kot bei HIV-Infizierten gefährliche Pilzerkrankungen hervorrufen können; Katzentoiletten und Blumentöpfe mit Erde können ähnliche Risiken bergen. Alkohol, Zigaretten und Drogen sind für den HIV-positiven Menschen noch schädlicher, weil sie das Immunsystem zusätzlich schwächen. Rohes Fleisch und andere salmonellenverdächtige Speisen sind dringend zu meiden, desgleichen roher Fisch, Austern und Meeresfrüchte. Mayonnaise sowie abgestandene Sauce können gefährlich sein; dagegen ist eine gesunde kalorien- und vitaminreiche Kost zu empfehlen. Kontakte mit Trägern von Krankheitserregern, seien es Kinderkrankheiten (z.B. Windpocken) oder Tuberkulose, können gefährlich werden. Reisen in Länder mit niedrigem Hygienestandard - vor allem in die Tropen - bergen überdurchschnittliche Infektionsgefahren. Medikamenteneinnahme ohne Absprache mit dem Arzt sollte wegen möglicher Nebenwirkungen bzw. Schwächung des Immunsystems vermieden werden. Und was viele nicht wissen: Starke körperliche Anstrengung und Stress, aber auch Sonnenbäder im Freien oder im Solarium können das Immunsystem beeinträchtigen und dadurch den Ausbruch von Aids beschleunigen.
Alle diese Punkte sprechen im persönlichen Interesse aller Infizierten für einen HIV-Test. Aber es gibt noch einen weiteren Grund: Die Medizin verfügt schon seit einigen Jahren über virushemmende Medikamente, die den Ausbruch der Krankheit Aids hinausschieben können.
Wann sollte getestet werden?
- Bei früheren riskanten Lebensgewohnheiten (z.B. Rauschgiftabhängigkeit, häufiger Partnerwechsel)
- Beide Partner am Beginn einer Liebesbeziehung
- Paare mit Kinderwunsch
- Frauen bei Beginn einer Schwangerschaft
- Gegebenenfalls vor Impfungen mit Lebendimpfstoffen
- Bei Bluttransfusionen vor Herbst 1985
- Gegebenenfalls vor schweren Operationen
Therapie
Antivirale TherapieHeute stehen die Gruppen der reversen Transkriptasehemmer und Proteasehemmer für die Bekämpfung der HIV-Infektion zur Verfügung. Die reversen Transkriptasehemmer verhindern indirekt den Einbau des Virusgenoms in die DNA der menschlichen Wirtszelle, indem ein wichtiges Enzym für die DNA-Synthese - die reverse Transkriptase - durch das Medikament blockiert wird. Die Proteasehemmer hingegen hemmen die Protease, ein zentrales Enzym, welches für die Bildung neuer Viren verantwortlich ist. Heute werden diese beiden Medikamentengruppen in Kombination eingesetzt. Beide helfen, die Virusmenge im Blut und in den Lymphknoten niedrig zu halten, und verlangsamen so das Fortschreiten der Erkrankung. In der Therapie der HIV-Infektion wurden in den letzten Jahren enorme Fortschritte erzielt. Anfang der 90er Jahre setzte man die antivirale Therapie erst in den fortgeschrittenen Stadien der HIV-Infektion ein. Inzwischen erhofft man sich von einer frühzeitigen Therapie, 1. die Vermehrung des HI-Virus und die Zerstörung des Immunsystems - und damit das Fortschreiten der Krankheit - aufzuhalten, 2. die Ausbildung von resistenten HIV-Varianten zu unterdrücken sowie 3. die Ansteckungsfähigkeit des Betroffenen zu vermindern. Studien haben ergeben, dass bei HIV-infizierten Schwangeren die Übertragungshäufigkeit auf das Kind durch eine antivirale Therapie stark vermindert wird. Heute wird eine Therapie mit zwei verschiedenen reversen Transkriptasehemmern und einem Proteasehemmer begonnen. Reverse Transkriptasehemmer sind zum Beispiel AZT (= Retrovir®), Lamivudin (= 3TC®, ddI (= Videx®) oder ddC (= Hivid®). Proteasehemmer sind Indinavir (= Crixivan®) oder Nelfinavir (= Viracept®).
Medikamentöse Prophylaxe bei der Aids-Krankheit
Ziel der Prophylaxe ist, das Auftreten der zu erwartenden typischen Infektionskrankheiten (= “opportunistische Infektionen”) im Stadium Aids zu vermeiden oder zumindest hinauszuschieben. Es ist sozusagen eine Symptombekämpfung, denn die HIV-Infektion wird nicht geheilt, und auch die Zerstörung des Immunsystems kann dadurch nicht aufgehalten werden. Das genaue Vorgehen bei der Prophylaxe von opportunistischen Infektionen hängt vom Krankheitsstadium ab. Es werden verschiedene Medikamente eingesetzt: z.B. Baktrim® für die Prophylaxe der Pneumocystis-carinii-Pneumonie.
Postexpositionsprophylaxe (= PEP)
Bereits seit einigen Jahren werden Medizinalpersonen, die bei einem Berufsunfall, wie zum Beispiel einer Verletzung mit einer benutzten Spritze, dem Risiko einer HIV-Infektion ausgesetzt waren, für zwei bis vier Wochen mit einem oder mehreren Anti-HIV-Medikamenten behandelt. Dadurch konnte das Übertragungsrisiko um 80% reduziert werden.
Seit Ende 1997 stehen diese Medikamente in der Schweiz auch denjenigen Personen zur Verfügung, die sich bei einem ungeschützten sexuellen Kontakt mit einem HIV-infizierten Partner eventuell angesteckt haben könnten. Über die Wirksamkeit in einem solchen Fall weiss man allerdings noch wenig. Sicher ist nur, dass man so schnell wie möglich nach der Ansteckung mit der Behandlung beginnen muss, idealerweise innert weniger Stunden, höchstens aber bis 72 Stunden nach der vermuteten Ansteckung, denn sonst hat sich das HIV bereits im Körper verbreitet. Die Medikamente müssen zwei bis vier Wochen eingenommen werden und haben starke Nebenwirkungen. Die Entscheidung, eine PEP durchzuführen, muss sorgfältig durch einen Arzt in einem Zentrumsspital getroffen werden, da zurzeit noch keine Erfahrung über die Langzeitschäden durch eine antiretrovirale Therapie bei Gesunden vorliegt.
Wichtigster Partner: der Arzt
Haben Sie Vertrauen zu Ihrem Arzt. Er ist der kompetente Fachmann und damit der richtige Partner für Sie. Er unterstützt Sie und kann für Sie speziell ausgebildete Fachärzte beiziehen. Selbstverständlich gilt für ihn die Schweigepflicht. Zusätzlich stehen Ihnen auch das ärztlich geführte Beratungstelefon (044 261 03 86) oder auf Wunsch Beratungsgespräche bei Ärzten der AIDS-Aufklärung Schweiz zur Verfügung.
Was man über den Test wissen sollte
Der Test, mit dem man feststellen kann, ob sich jemand mit dem Aids-Virus HIV infiziert hat, heisst HIV-Antikörpertest (z.B. ELISA). Gesucht wird nämlich nicht das Virus selbst, sondern die Reaktionen des menschlichen Abwehrsystems im Blut, die Antikörper.Der HIV-Test ist einer der sichersten Tests in der Medizin.
Die Zeit von der Infektion bis zum Auftreten von Antikörpern im Blut (Serokonversionszeit, diagnostisches Fenster) ist unterschiedlich lang und von verschiedenen Faktoren abhängig (Übertragungsweg, Menge der übertragenen Viren usw.). Antikörper können nach dem heutigen Stand des Wissens frühestens nach zwei bis sechs Wochen, bei den meisten innerhalb von drei Monaten festgestellt werden. Nach einem Infektionsrisiko ist deshalb frühestens nach zwei bis sechs Wochen ein Test sinnvoll und muss bei einem negativen Ergebnis nach drei Monaten wiederholt werden.
Es gibt verschiedene Tests; sie ergänzen einander. Der Elisa wird als Suchtest für HIV-Antikörper verwendet. Da manchmal auch andere Antikörper mitreagieren, werden die “positiven” Ergebnisse immer überprüft. Zur Bestätigung bzw. Korrektur verwendet man den Western-Blot-Test. Er ist zeitlich und kostenmässig aufwendiger als der sensiblere Elisa. Zum Ausschluss von Verwechslungen im Labor ist bei einem ̴positiven” Resultat eine Kontrolle durch eine zweite Blutentnahme empfehlenswert.
Antigentests, welche Virusbestandteile direkt nachweisen, sind weniger empfindlich als die HIV-Antikörpertests und bringen keine wesentliche Verkürzung des diagnostischen Fensters. Der Antigentest ist wichtig bei der Feststellung einer frischen HIV-Infektion. Der PCR-Test (Gensonden, mit welchen schon Spuren von genetischem Material des Virus nachgewiesen werden können) wird wegen seiner Aufwendigkeit nur z.B. in der Frühdiagnostik bei Säuglingen und unklaren Fällen der HIV-Infektion angewendet. Der PCR-Test wird heute zum Messen des Therapieerfolges gebraucht.
Der Test ist im Interesse aller
Nur wer über seine Infektion Bescheid weiss, kann sich gegenüber anderen und sich selbst verantwortlich verhalten:- Infizierte sollten grundsätzlich alle bisherigen Intimpartner über die bestehende Infektion informieren, damit diese sich umgehend testen und ärztlich beraten lassen können. Somit ist gewährleistet, dass sie bei einer Infektion frÜhzeitig von den heute zur Verfügung stehenden Medikamenten profitieren können und die Infektion nicht unwissentlich weiterverbreiten.
- Infizierte müssen ihre gegenwärtigen Intimpartner über ihre Infektion aufklären. Sicherer Schutz heisst, auf Geschlechtsverkehr und Austausch von Körperflüssigkeiten zu verzichten. Kondome senken zwar das Infektionsrisiko, schliessen es aber nicht aus. Wer riskante Verhaltensweisen nicht ändern will, sollte sich konsequent mit Kondomen schützen.
- Beim Geschlechtsverkehr zwischen Infizierten lohnt es sich, Kondome zu benutzen, um das Risiko einer Ansteckung mit anderen Erregern (Syphilis, Herpes, Hepatitis usw.) sowie mit einem besonders “bösartigen” HIV-Stamm zu verringern.
- Behandelnde Ärzte, Zahnärzte sowie das Pflegepersonal sind über die Infektion zu informieren, damit sie sich optimal verhalten können.
- Blut-, Organ- und Samenspenden von Infizierten sind verboten.
©Centers for Disease Control and Prevention (CDC)
©Translation: AIDS-Aufklärung Schweiz
last updated: 22/01/2007

Das Faltblatt “Der HIV-Test – Warum es besser ist, sich testen zu lassen” ist gratis erhältlich.
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Zahlen in Klammern verweisen auf die Literaturliste der Test-Bibliografie des CDC